Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
naturgemäfs hier, auf der Stufe der Gruppenehe, durchweg
Mutterrecht, indem die Verwandtschaft ausschliefslich nach
mütterlicher Abstammung bestimmt wird und einzig danach be-
stimmt werden kann, weil diese allein nachweisbar ist, wo alle
vorhandenen Weiber mit allen vorhandenen Männern der be-
treffenden Generationsfolge geschlechtlichen Umgang haben. Nach
Verbot der Geschwisterehe dürfen also nicht mehr die Söhne und
Töchter der Frau A einander ehelichen, ebensowenig wie die der
Frau B, C u. s. f. Wohl aber darf Verkehr stattfinden zwischen
den Söhnen der A und den Töchtern der B und zwischen den
Töchtern der A und den Söhnen der B u. s. f. Daraus folgt,
dafs sich jetzt neue Gruppen bilden müfsten; eine Reihe von
Schwestern wurde der Kern der einen, eine andere der Kern der
zweiten u. s. f.: etwa die Töchter der A mit ihren Kindern von
den Söhnen der B und die Töchter der B mit ihren Kindern
von den Söhnen der A u. s. f. Noch weitere Komplikationen
der sozialen Organisation, noch weitere Gruppen ergeben sich
selbstverständlich mit Einführung des Verbotes der Ehe zwischen
Kollateralgeschwistern; doch brauche ich darauf wohl nicht weiter
einzugehen. Man sieht: aus dem alten, eine einzige grofse
Familie bildenden Sozialverbande, der aus der Horde sich heraus
entwickelt hat, wird nach und nach ein aus einer ganzen Reihe
von Gruppen bestehender, also differenzierterer Sozia 1-
verband, was eine unaufhörlich fortschreitende Indi-
vidualisierung bedingt, die sich noch mehr geltend machte,
als aus der Gruppenehe in ihrer vollendetsten Form die
Paarungsehe und aus dieser schliefslich die Monogamie
und die monogamische Familie entsprang.
Die Entstehung der Paarungsehe, welche ein, wenngleich
noch nicht beständig, so doch jedenfalls längere Zeit andauerndes
Verhältnis eines Mannes zu einer Frau, wie es vordem nur
als Ausnahme vorkam,. als Regel bedeutet, erklärt sich leicht und
ungezwungen aus der fortgesetzten Ehe-Ausschliefsung erst blofs
näherer, dann immer entfernterer, endlich sogar nur angeheirateter
Verwandten. Dadurch wurde einfach die bisherige Gruppenehe
praktisch zur Unmöglichkeit; ja, an die Stelle des früheren Über-
flusses von zur Begattung zur Verfügung stehenden Weibern
trat jetzt bisweilen geradezu Mangel, welcher die nach Befriedigung
des Geschlechtsbedürfnisses verlangenden Männer unter Umständen
veranlafste, sich durch Vertrag oder auf dem Wege der Gewalt in
den Besitz von Frauen zu setzen, und so die Methoden der Kauf-