Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
wir heute nicht mehr; aber aus dem Altertume liegen Berichte über
solche vor, bei denen Zustände, wie die angedeuteten, herrschten, wo
demnach jedes Weib jedem Manne und umgekehrt jeder Mann jedem
Weibe gehörte. Und zudem weisen vereinzelte Spuren bei heute leben-
den Volksstämmen auf derartige früher bei ihnen vorhanden gewesene
Verhältnisse zurück; Bancroft berichtet in seinem berühmten Werke
„The native races of the Pacific coast of North America",
dafs bei den Kaviats an der Behringsstrafse, bei den Tinnehs im
Innern von Britisch-Nordamerika und bei den Kadiaks in der
Nähe von Alaska noch Geschlechtsverkehr zwischen Eltern und
Kindern vorkomme, und Letourneau führt in seiner Arbeit
„Evolution du mariage et de la famille" den Beweis, dafs
das Nämliche für die Karens in Hinterindien, die Cucus in Chile,
die Chippeway-Indianer und die Karaiben gilt. Was wir so jetzt
als blofse Spur, als vereinzeltes und abgeschwächtes Überbleibsel
wahrnehmen, das war einstmals wohl das Gewöhnliche in einem
Umfange, dafs man für solchen Zustand keine andere Bezeichnung
anwenden kann, als dafs man von ihm eben als einem Zustand der
vollständigsten Regellosigkeit spricht. Wie lange derselbe bestanden
hat, läfst sich natürlich nicht mit auch nur einigermafsen Sicher-
heit bestimmen; ebensowenig sind für Vermutungen irgendwelche
Anhaltspunkte gegeben. Aber endlich bildete sich die erste wirk-
lich und eigentlich organisierte Form der Gesellschaft, die Bluts-
verwandtschaftsfamilie, in der an Stelle der ehemaligen Regel-
losigkeit des Geschlechtsverkehrs die Scheidung von Ehegruppen
nach Generationen trat. Das bedeutete einen ungeheuren Fortschritt;
als der Mensch die Gattung, deren Fortexistenz man eben als das
eigentlich Wichtige, als das entschieden Wesentliche zu ahnen be-
gann, durch die bisherige Inzucht bedroht sah, schränkte man die-
selbe in gewisser Hinsicht ein und verbot hinfort den Geschlechts-
verkehr zwischen Eltern und Kindern. Dann erfolgte nach längerer
oder kürzerer Zeitdauer wieder ein neuer Fortschritt, darin bestehend,
dals man nunmehr auch Bruder und Schwester vom gegenseitigen
Geschlechtsverkehre ausschlofs, ja schliefslich sogar die Ehe von
Kollateralgeschwistern, d. h. nach unserer Bezeichnungsweise von
Geschwisterkindern, -Enkeln und -Urenkeln, untersagte. Dieser Fort-
schritt mufs als noch viel gewaltiger und unendlich viel wichtiger,
aber auch als aufserordentlich viel schwieriger als jener erste an-
gesehen werden wegen der gröfseren Altersgleichheit der Beteiligten;
er führte zur Konstituierung der sogenannten Punaluafamilie.
Blicken wir nochmals zurück. Die ursprüngliche Menschen-