Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
und Rückhalt zu gewähren vermochte. So können wir denn über-
haupt wohl sagen, dafs die durch fortgeschrittenere Hirn-
entwickelung bedingte gröfsere körperliche Zartheit
und eingeschränkte Reproduktionskraft der letzte Grund
zur Hordenbildung war, indem sie aus der Not gewissermafsen
eine Tugend machte, die Eifersucht überwand und einen Gesellig-
keitstrieb entstehen liefs, welcher über die engen Grenzen der
Einzelfamilie hinausreichte und das Zustandekommen eines weiteren
geselligen Verbandes, eben der Horde, herbeiführte. Vielleicht
kann endlich hier auch noch eine andere, nämlich folgende Er-
klärungs-Ursache herangezogen werden. Es ist eine Thatsache der
Erfahrung, dafs der Geschlechtstrieb im Verlaufe der Zivili-
sation, also mit zunehmender Hirnentwickelung wächst, stärker
wird, unbeschadet dessen, dafs die Reproduktionskraft sich ver-
mindert. Die Geschlechts-Impulse sind bei primitiven Menschen
schwächer als bei zivilisierten, wofür Plofs und Bartels in ihrem
grofsen Werke „Das Weib" zahlreiche und genügende Belege
beigebracht haben. Auch hier ist nun wohl wieder ein Rück-
scblufs gestattet. Sind die geschlechtlichen Gefühle des zivilisierten
Menschen intensiver als die des Naturmenschen, so mag das auch
von dem Urmenschen, dem Affenmenschen im Gegensatze zu
anderen Affenarten gegolten haben: dem Männchen genügte die
Paarung mit einem Weibchen nicht, um so weniger, da die Be-
gattung in diesem Falle ja von langen Pausen unterbrochen ist,
infolge der Schwanger- und Mutterschaft. Nun könnte man freilich
meinen, dafs dann das Nächstliegende die Vielweiberei, die Bildung
der polygamen Familie mit einem Männchen und vielen Weibchen
gewesen sei. Ich meine doch nicht: denn die Sorge für eine der-
artig grolse Familie, wie sie dann entstanden wäre, würde sicherlich
für jenes auf der Grenzscheide zwischen Tier und Mensch stehende
Wesen überwältigend gewesen sein. Hingegen bot die Hordenbildung
hinreichend Gelegenheit zur Befriedigung des stärkeren Geschlechts-
triebes, ohne doch die dem Einzelnen zu Gebote stehenden be-
schränkten Kräfte übersteigende Verpflichtungen nach sich zu ziehen.
Auch dieses Moment scheint mir als ein die Hordenbildung der Ur-
menschen mitbedingendes berücksichtigt werden zu müssen.
Die aus Nützhchkeitsrücksichten gebildeten und aus physischen
und psychischen Bedürfnissen entstandenen Menschenhorden waren
vermuthch noch so gut wie ganz unorganisiert; innerhalb ihrer
hat sehr wahrscheinlich der regelloseste Geschlechtsverkehr ge-
herrscht. Völkerschaften, bei denen das noch der Fall ist, kennen