Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
weiter fortgeschritten gewesen sein mufs als die irgend einer uns
bekannten; und nun ist es eine Thatsache der Erfahrung, dals
jedenfalls für die Species Säugetier, die man homo sapiens nennt,
der Satz gilt: was die Organismen auf der einen, der psychischen
Seite gewinnen, verlieren sie auf der anderen, der physischen.
Das wird oft bestritten, aber sehr mit Unrecht. Man weist u. a.
auf die mittelalterlichen Ritterrüstungen hin, welche keine sehr
grofsen Körper beherbergt haben können. Das ist ganz richtig;
aber wir vermögen aus deren Inhalt doch keinen Schlufs auf die
Muskelkraft und Stärke und robuste Gesundheit dessen zu ziehen,
der darin gesteckt hat, sondern eben nur auf den Umfang seines
Leibes. Durchaus für obigen Satz spricht die abnehmende Trink-
fähigkeit der Menschen. Der trinkfähigste Couleurstudent von heute
ist ein armseliger Schlucker gegen einen gelehrten Ratsherrn aus
der Zeit des dreifsigjährigen Krieges: solche Trink-Leistungen, wie
sie damals noch an der Tagesordnung waren und zwar eben seitens
der Gebildeten, würden heutzutage den Ruin der Betreffenden infolge
ihrer schwächeren Konstitution bedeuten. Ferner ist noch Folgen-
des zu bedenken. Immense geistige Begabung findet sich fast stets
mit einem zarten, kaum je mit einem robusten Körper zusammen; die
Dummheit der Riesen ist ebenso sprichwörtlich wie ihre Plumpheit;
diejenigen Wesen der Spezies homo sapiens, welche die relativ
gröfste Hirnentwickelung aufweisen, die Kinder, sind körperlich am
allerschwächsten, und die Frauen der Kulturvölker, deren Hirnmasse
relativ bedeutender als die der Männer ist, sind körperlich schwächer
als diese. Diese heute feststehenden Thatsachen erlauben einen
Rückscblufs; was für die Spezies homo sapiens gilt, wie wir sie
kennen, mufs auch für die Affenart, aus welcher der Mensch her-
vorgegangen ist, mindestens zur Zeit, da diese Entwickelung sich
vollzog, also für den Urmenschen auf der Grenzscheicie zwischen
Tierheit und Ubertierheit gelten. Ferner ist auch der Umstand
in Rechnung zu ziehen, dals erfahrungsmälsig die Reproduktions-
kraft des Menschen mit zunehmender geistiger Verfeinerung ab-
nimmt: geniale Menschen sind nicht selten völlig unfruchtbar.
Auch hier wieder ist ein entsprechender Rückscblufs von der hoch-
entwickelten Spezies homo sapiens auf die Vorstufe derselben
möglich. Die diese Vorstufe repräsentierende Affenart war infolge
ihrer bedeutenderen Hirnentwickelung wahrscheinlich weniger frucht-
bar als andere Arten und dadurch nicht mehr zu so umfänghchen
Einzelfamilien-Bildungen fähig, dafs die Familie dem ohnehin
schwächeren und zarteren Individuum einen hinreichenden Schutz