Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
sondern ein Rassen- und im besonderen wieder ein
Volks-Wesen, kurz ein soziales Wesen, in gewissen Be-
ziehungen sogar in noch engerem Sinne als in dem zu-
letzt genannten. Der Grund dafür ist in sowohl vor als auch
nach der Geburt des Einzelnen wirksamen Einflüssen zu suchen,
in den Einflüssen der Vererbung und des Milieus: wie
in Folge dessen sein Leib den Habitus der Rasse und des Volkes,
der und dem er zugehört, aufweist, so trägt sein Geist auch die
Züge der sozialen Psyche, ist nur als Teil, freilich als mehr oder
weniger selbstbewufster Teil derselben aufzufassen — der Ein-
zelne denkt, fühlt und handelt in allen wesentlichen
Stücken, wie die Gesamtheit denkt, fühlt und handelt,
in die er hineingeboren und in der er auferzogen wird
und zum reifen Menschen heranwächst. Das alles wird
uns noch mehr einleuchten und in seiner unbedingten Notwendig-
keit noch klarer werden, wenn wir uns nunmehr dem Problem
der Entstehung der sozialen Lebenskreise und ihrer Weiterent-
wickelung zuwenden: gingen wir bei unseren bisherigen Unter-
suchungen von dem Individuum aus, so schlagen wir jetzt den
gerade umgekehrten Weg ein.
Die sozialen LeLenskreise in ihrer Entstelinng nnd
Entwickelung.
§ 21.
Die Erfahrung lehrt, dafs im Naturzustande das gemeinsame
Fühlen, Wollen und Denken in noch weit stärkerem Mafse her-
vortritt als im Kulturzustande. Diese Gemeinsamkeit stellt sich
jedoch dem Beobachter als eine mehr instinktive dar, während im
Kulturzustande die vorhandene Gemeinsamkeit im Be wulstsein sich
deutlicher widerspiegelt. Dafs eine solche hier ebenfalls existiert,
steht aufser Frage: nirgends lassen sich gewisse gemein-
same Eigentümlichkeiten des Vorstellens, Fühlens und
Wollens verkennen, die einen Gemeingeist bilden, der
über Einzelansichten, Einzelgefühle und Einzelbe-
strebungen sich als eine durchaus reale und lebendige
Macht erhebt. Wäre dem nicht so, dann würde ja die Politik
als Kunst der Lenkung der sozialen Entwickelung gar nicht denkbar
sein; dann gäbe es keinen Volkscharakter, keine öfl'entliche Meinung,
im kleineren Stile keine Kliquen und Koterien, keine Parteien