Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Endlich mufs ich hier noch darauf aufmerksam machen, dafs
nicht nur Rassen-, nicht nur Stammes- und Volks-Zugehörigkeit
geistige Verschiedenheiten bedingt, sondern dafs solche auch
durch die engeren sozialen Verbände gesetzt werden können.
Geistige Unterschiede ergeben sich nämlich auch inner-
halb eines Volkes durch die Zugehörigkeit zu einer
höheren oder niederen Gesellschaftsklasse infolge der
Verschiedenheit der Lebensweise, der eigentümlichen
Beschaffenheit des besonderen engeren sozialen Milieus,
besserer Erziehung u. dgL m. Wie es ja überhaupt unleug-
bar ist, dafs die soziale geistige Eigenart der Menschen, das
spezifisch volkische Gepräge bei den einzelnen Gliedern der be-
treffenden Menschheitsgruppe, also eines Stammes oder Volkes,
zum Teil auf den nach der Geburt wirksam werdenden Einflüssen,
eben dem Milien, beruhen, wie ich das des Näheren schon früher
auseinandergesetzt habe. An dieser Stelle möchte ich aber noch
besonders auf die ungeheure Bedeutung der Sprache für die
Entstehung und Entwickelung der sozialen geistigen Eigenart der
einzelnen Volksgenossen hinweisen. In der Sprache eines Volkes
ist dessen ganzer geistiger Gehalt niedergelegt; in der Sprache
eines Volkes erscheint der Volkscharakter zu greifbarster Gestalt
verdichtet. Durch die sprachliche Mitteilung, durch die Erlernung
seiner Muttersprache wird daher das Kind des Geistes, des Charak-
ters seines Volkes teilhaftig wie kaum durch ein anderes, von
aufsen her einwirkendes Mittel. Aber freilich ausschlaggebend
sind alle derartigen Mittel nicht; ausschlaggebend ist die dem Kinde
auf dem Wege der Vererbung in Form bestimmter Dispositionen
mitgegebene soziale geistige Mitgift. Das können wir mit der
gröfsten Deutlichkeit am Beispiel des jüdischen Volkes wahr-
nehmen, das seinen Volkscharakter aufs treueste bis auf den
heutigen Tag, indem nur unbedeutende Typenmischung statt-
gefunden hat, trotz des Wechsels des Milieus und des beinahe
gänzlichen Fallenlassens der ursprünglichen Muttersprache bewahrt
hat. Auch das geistige Gepräge der höheren Stände ist ein un-
verkennbar sicherer Beweis dafür, sofern es sich dabei um ein
nicht blofs vorübergehendes, sondern durch zahlreiche Generationen
hindurch sich erhaltendes auf der Höhe Stehen handelt wie bei
Adels- und Patrizierfamilien, natürlich ein Beweis für die an-
gegebene Erscheinung im engeren Sinne, indem ja hierbei blofs
soziale Gruppen sekundärer Art, soziale Gruppen innerhalb der
grofsen Stammes- und Völkergruppen in Betracht kommen. Im