Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 149
und gewisser historischer Faktoren verdanken. Diese National-
charaktere sind bis zu einem gewissen Grade variabel; so kann
namentlich Typenmischung die Ursache der Abänderung sein und
eine Umwandlung der geistigen Struktur eines Stammes oder
Volkes bewirken, sei es nun zum Besseren, sei es zum Schlech-
teren. Aber selbst bei einer Verschiebung, welche die natür-
lichen Lebensbedingungen erfahren, geht der ursprüngliche Typ
niemals ganz verloren; so kann noch heute bezüglich der Fran-
zosen Caesars Urteil über die alten Gallier und hinsichtlich der
Deutschen dasjenige des Tacitus über die alten Germanen als in
vielen Stücken zutreffend bezeichnet werden. Ein ganz besonders
überraschendes Beispiel eines fast unveränderlichen National-
charakters bietet uns das Volk, das nacheinander die Namen
Hellenen, Byzantiner, Neugriechen getragen hat, bezw. noch trägt:
der Grieche von heute ist noch immer, wie der Athener des
Perikleischen Zeitalters, unruhig, veränderungs- und ruhmsüchtig,
schwatzhaft, launisch und reizbar, verlogen, schlau, hinterlistig
und betrügerisch. Den Nationalcharakter empfängt jedes einzelne
Individuum mit der Geburt: er erhält sich durch stete Über-
tragung, durch die Vererbung von Eltern auf Kinder und Kindes-
kinder, so dals jeder Mensch in seiner geistigen Beschaffenheit
durch die seines Volkes geradeso bedingt ist wie in körperlicher
Beziehung. Wie der Papua äufserlich seinen Stammes- und Volks-
genossen gleicht so auch innerlich, und dasselbe gilt vom Eng-
länder, Deutschen, Franzosen, Italiener, wenngleich hier die
volkischen Besonderheiten nicht stets so auffällig hervortreten,
namentlich, infolge des kulturellen Zusammenhanges, nicht in
geistiger Hinsicht. Dafs sie aber auch hier von Kindheit an be-
stehen, das lehrt schon ein Blick auf die von der Jugend der
verschiedenen Völker bevorzugte Lektüre. Unsere Märchenbücher
und Indianergeschichten finden, wenn ich mich auf meine vielfachen
Informationen sicher verlassen darf, bei englischen Kindern bei
weitem nicht den Anklang, wie bei den unserigen, am wenigsten die
ersteren. Und umgekehrt gefallen deutschen Kindern wieder solche
in England so beliebte und viel gelesene Bücher wie „Tom Brown
at Rugby" nicht besonders. Amicis „Herz" und andere Erzählungen
sind in Italien auf eine begeisterte Aufnahme gestofsen; die Jugend
Deutschlands liest diese Sachen wohl auch, aber ich hörte sehr
häufig von Knaben das Urteil, dafs sie zu wenig „jungenhaft"
seien, womit wohl gegen den süfslich-sentimentalen Grundton, der
in ihnen unverkennbar ist, Stellung genommen werden sollte.