Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
mitzuteilen, ist aus Mangel an empirischem Material nicht mög-
lich; wir müssen uns bei den diesbezüglichen Nachweisen auf die
sekundäre Empfindungs-, die intellektuelle Veranlagung im all-
gemeinen beschränken. Jedoch auch hierfür stehen nicht viele
auf Einzelbeobachtungen beruhende oder gar auf experimentellem
Wege gefundene Daten zur Verfügung; man ist vielmehr zu
allermeist blofs auf die Angabe gewisser allgemeiner Züge ange-
wiesen. Aber gleich zu Beginn kann ich hier doch eine inter-
essante, auf experimenteller Untersuchung beruhende Thatsache
mitteilen: Herzen hat nachgewiesen, dafs bei Nordländern eine
schnellere Reaktion als bei Südländern sich findet. Betrachtet
man das geistige Gepräge der Völker im ganzen und grofsen, so
kann es niemandem entgehen, dafs hier zahlreiche Unterschiede
vorhanden sind, welche sich auf allen Gebieten des Geisteslebens
geltend machen und sich bei den einzelnen Angehörigen dieser
Völker stets wiederfinden und zwar schon bei den Kindern gerade
so gut wie bei den Erwachsenen. Das zeigt, worauf de Candolle
einmal hinweist, sehr deutlich z. B. der Vergleich einer Schar
kleiner Italiener mit kleinen Deutschen: die ersteren haben auf-
geweckte Gesichter, grofse Lebhaftigkeit und eine schnelle Auf-
fassungsgabe für alles, was man sie lehrt; die letzteren zeichnen
sich durch mehr Ruhe, Ernst und Fleifs aus. Der Skandinavier
ist träumerischer als der Deutsche, und dieser wird wieder von
dem Engländer bedeutend an Nüchternheit übertrofEen. Der
Franzose ist hochstrebend, aber leicht veränderlich und wenig
energisch, wohingegen den Deutschen und namentlich den Eng-
länder zähe Thatkraft und Ausdauer kennzeichnen. Der Deutsche
neigt zu einer gewissen romantisch-gefühlvollen, der Italiener zu
einer etwas sinnlichen, schwärmerisch-phantastischen und sogar
nicht selten süfslichen Sentimentalität. Dem Deutschen eignet in
hohem Grade die Fähigkeit des abstrakten Denkens; der Franzose
inkliniert mehr für das Konkrete und Exakte. Dem Czechen
wohnt grolse musikalische, dem Italiener nicht unbedeutende
poetische, dem Spanier rhetorische Begabung inne. Der Franzose
ist prahlerisch, der Engländer zurückhaltend, der Skandinavier
bescheiden. Der Russe liebt die feste Sefshaftigkeit; der Deutsche
ist wander- und abenteuerlustig. Dazu nehme man die früher in
anderem Zusammenhange mitgeteilten Züge hinzu, und man kann
nicht daran zweifeln, dafs es mehr oder weniger scharf und be-
stimmt umgrenzte Nationalcharaktere giebt, welche ihre Ent-
stehung dem Zusammenwirken der natürlichen Lebensbedingungen