Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 147
so sehen wir denn immer im Auslande sich Emigranten-Kolonien
bilden, welche ihren Angehörigen wenigstens ein Surrogat für das
weitere Feld der in der Heimat möglichen Bethätigung neben dem
beschränkten, ihnen in der Fremde offen stehenden bieten wollen.
In ganz besonderem Mafse macht sich, was jetzt noch zu er-
örtern ist, die soziale Bedingtheit des Individuallebens
auf dem Gebiete des Empfindens, Fühlens und Wollens
geltend. Soweit es sich dabei um Zusammenhänge mit den In-
stinkten und Trieben des Menschen handelt, leuchtet diese Bedingt-
heit nach dem Gesagten von selbst ein; aber auch in allen anderen
Beziehungen ist sie nachweisbar und somit in keiner Weise in
Abrede zu stellen. Ohne weiteres springt dieselbe in die Augen
bei der Betrachtung der gröfsten Menschheitsgruppen, der Rassen;
aber sie ist ebenso gegeben bei den kleineren, den Stämmen
und Völkern. Was jene anlangt, so weise ich bezüglich der Em-
pfindungsanlagen u. a. darauf hin, dafs die Neger einen aufser-
ordentlich feinen, einen viel schärferen Geruch als die Europäer
haben: so unterscheiden die Antillenneger nach dem „Odorat"
überschriebenen Artikel im „Dictionnaire des sciences médi-
cales" die Spur eines Weifsen von der eines Farbigen nach dem
Geruch. Bei den Mongolen ist eine bewundernswürdige Sehschärfe
und bei den Papuas eine weitgehende Farben-Unterscheidungsfahig-
keit zu konstatieren; so berichtet Pallas von den nordasiatischen
Mongolen als Kennzeichen der angegebenen Eigentümlichkeit, dafs
sie, denen aUe künstlichen Instrumente fehlen, die Jupitermonde
kennen, und bei den Papuas auf den Neuen-Hebriden fand Schel-
long, dafs sie ohne Zögern feine Farben-Nüancen unterscheiden
konnten, obwohl ihr Wortschatz nur wenige Bezeichnungen für
Farben und für blau und grün dieselben hat.*) Was den Tastsinn
betrifft, so stehen hier dagegen die Neger weit hinter den Europäern
zurück, wie aus den Untersuchungen Felkins hervorgeht, die er im
Jahre 1889 in den „British Association Reports" unter dem
Titel „Differences of sensibility between Europeans und
Negroes" mitgeteilt hat. Felkin untersuchte 150 Neger aus dem
Sudan und stellte fest, dafs ihre Unterscheidungs-Fähigkeit für
Tastempfindungen auf der Zungenspitze, wo sich bei Europäern eine
Durchschnittsziffer von 1,1 mm ergiebt, im Mittel 3 mm beträgt.
Derartig ins Einzelne gehende Feststellungen, die Verschieden-
heit der Empfindungsanlagen bei verschiedenen Völkern betreffend,
*) Man vergleiche: Schellong, „Beiträge zur Anthropologie der
Papuas» in der „Zeitschrift für Anthropologie" 1891. Heft IV.
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