Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Zeitpunkt seines Auftretens betrifft: er regt sich ja bei dem Süd-
länder früher als bei dem Nordländer. Auch bei dem Nahrungstriebe
ergeben sich Unterschiede, wenigstens in der Richtung auf bestimmte,
besonders bevorzugte Nahrungsmittel: hierbei ist der Einfluls der
Lebensbedingungen wiederum ganz unzweifelhaft sicher und leicht
durchschaubar; bald bedingt das Klima die Bevorzugung animali-
scher, bald eine solche vegetabilischer Nahrung und führt diesbezüg-
liche Anpassungen herbei. Übrigens macht sich auch beim Ge-
schlechtstrieb ebenfalls eine gewisse besondere Richtungs-Bedingtheit
und -Bestimmtheit geltend, indem für gewöhnlich bei der Familien-
gründung die Wahl des Mannes auf eine Frau des nämlichen Volkes
fällt und eine solche meistens auch von dem Weitgereisten, dem
Kenner der verschiedensten Frauen-Typen bevorzugt wird. — Freilich
die formale Struktur des Individuallebens und zwar nicht nur bezüg-
lich der Triebe und Instinkte, sondern ebenso der Empfindungs-
Gefühls- und Willensanlagen mufs als ein allgemeiner menschlicher
Besitz angesehen werden, und insofern kann allerdings das Individuum
eine über den besonderen Sozialverband hinausreichende Bedeutung
beanspruchen: darauf beruht, namentlich indem die Empfindungs-,
Gefühls- und Willens-Anlagen in Betracht gezogen werden, das,
was man den allgemeinen Wert des Menschen nennt, der ihn
in den Stand setzt, auch in einem von seinem angestammten sehr
verschiedenen Milieu sich nützlich zu bethätigen. Aber die Grenzen
solcher Bethätigungs-Möglichkeit sind doch nur eng gezogen; sie sind
um so weiter, je näher die betreffenden Völker infolge Stammver-
wandtschaft, Ähnlichkeit der Lebensbedingungen, regen wechsel-
seitigen Verkehrs einander stehen, und je übereinstimmender daher
ihre Entwickelung sich gestaltet hat. Sie sind umgekehrt um so
enger, je weniger diese Bedingungen erfüllt sind: die nützliche Be-
thätigung kann alsdann auf ein Minimum zusammenschrumpfen,
ja überhaupt unmöglich werden, so dafs, um nicht zur Unthätig-
keit verdammt zu sein, nichts übrig bleibt, als die heimischen
Zustände in fremdem Lande und unter fremden Stämmen und
Völkern künstlich erstehen zu lassen, sofern es die natürlichen
Verhältnisse erlauben, wie wir dies im Gefolge der Kolonisations-
Bestrebungen der europäischen Kulturvölker überall und stets be-
obachten können. Jedoch auch im ersteren und dabei selbst im
allergünstigsten Falle ist die Bethätigungs-Möglichkeit in einem
anderen als dem angestammten Sozialverbande niemals nur im ent-
ferntesten die nämliche wie in diesem: das verhindert das spezifisch
volkische Gepräge des Empfindens, Fühlens und Wollens. Und