Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 145
diese Triebhandlungen unwillkürliche Handlungen zu sein auf-
hören und Willenshandlungen werden, was die sekundären Trieb-
handlungen, mit teilweiser Ausnahme des Spiels, von vornherein
sind: aber ursprünglich handelt es sich bei den instinktiven Trieb-
handlungen durchaus um ein unwillkürliches Thun, so bei dem
kleinen Kinde, das die ersehnte Nahrung an der Mutter Brust in sich
saugt. Von unbewufsten, etwa durch Vererbung übertragenen Zweck-
vorstellungen kann dabei gar keine Rede sein, ebensowenig wie
bei dem soeben aus dem Ei gekrochenen und Körner aufpickenden
Hühnchen; sondern es hat sich ein zweckmäfsiger Bewegungs-
mechanismus vererbt, der nun infolge bestimmter Reizungszustände
äufserer und innerer Organe des Körpers in gewohnter Weise in
Thätigkeit gerät, das eine Mal in Form von Saugbewegungen des
Mundes, das andere Mal in Form eines Pickens auf den Boden.
In dem zuletzt Ausgeführten ist auch schon eine Hindeutung dar-
auf enthalten, als was wir die Instinkte und instinktiven Triebe
anzusehen haben; wir müssen sie vom phylogenetischen Stand-
punkte aus auffassen als vererbte, durch Anpassung an die Lebens-
bedingungen entstandene Gewohnheiten, die vielleicht, ja wahr-
scheinlich einstmals psychische Leistungen waren, die allmähhch
jedoch mechanisch geworden sind und als solche, als Instinkt- und
instinktive Triehhandlungen sich einstellen, wenn gewisse gefühls-
betonte Muskel- und Organempfindungen auftreten. Daraus erheUt,
dafs das Individualleben in seinem Instinkt- und Trieb-
leben sozial bedingt ist, indem ihm nach diesen beiden Rich-
tungen hin ein gewissen eigenartigen Lebensbedingungen ent-
sprechendes gewisses eigenartiges Gepräge von Geburt an eigen
ist. So nehmen wir ja in der That wahr, dafs Instinkthandlungen
wie die mimischen, die Ausdrucksbewegungen der Menschen von
Jugend auf sehr verschieden sind bei den verschiedenen Völkern,
z. B. bei Italienern und Deutschen, wobei freilich der Zusammen-
hang mit den besonderen Lebensbedingungen ohne weiteres nicht
mehr erkennbar und wohl überhaupt nur von sekundärer Art ist.
Die gröfsere und wechselvollere Lebendigkeit dieser Bewegungen bei
dem Italiener beruht auf der gröfseren Lebhaftigkeit und Beweg-
lichkeit seines Temperamentes, das sie seinerseits dem südlichen
Klima verdankt, welches die Herzthätigkeit, die Blutzirkulation
u. dgl. m. in ganz besonderer Weise beeinflufst: ein Zusammenhang
mit den Lebensbedingungen ist also sicherlich vorhanden. Ein solcher
ist bei dem Geschlechtstrieb noch deutlicher zu erkennen, allerdings
nicht so sehr was die Art seiner Äufserung, als vielmehr was den
Bergemann, Soziale Pädagogik. 10