Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
die Augen zu öffnen. Und er kann das nur, weil auf ihn hin
lange gespart, lange gesammelt worden ist.
Noch soll aber jetzt mehr im einzelnen der Nachweis geführt
werden, dafs die geistige Struktur des Individuallebens in ihrem
ganzen Umfange sozial bedingt ist, sowohl was die Instinkte und
Triebe als auch was die Empfindungs-, Gefühls- und Willens-
Anlagen betrifft. Instinkte und Triebe gehören zueinander, ja
jene fallen als instinktive Triebe grofsen Teils geradezu mit diesen
zusammen; als instinktive Triebe können u. a. der Nahrungs-, der
Fortpflanzungs- und der Bewegungstrieb gelten, welche ontoge-
netisch betrachtet alle auf ein zweckmäfsiges, aber ursprünglich
unwillkürliches, teils trieb- teils reflexartiges Thun gerichtet sind.
Unter Instinkt schlechthin verstehe ich den Anreiz zu einem zweck-
mäfsigen, durchaus unwillkürlichen und nur reflexartigen Thun.
Zu den eigentlichen Instinkthandlungen gehören demgemäfs beim
Menschen alle die zahlreichen mimischen Bewegungen, welche einen
Affekt oder eine Stimmung zum äufseren Ausdrucke bringen, wie
Lachen, Weinen u. a. m., welche Bewegungen allerdings, wie wir
guten Grund zu vermuten haben, anfänglich triebartig erfolgten
und erst allmählich reflektorisch wurden. Was die Triebe betrifft,
so kommen aufser den erwähnten instinktiven u. a. noch folgende
uns schon bekannte in Betracht: der Thätigkeitstrieb, der eine
besondere Art des Bewegungstriebes ist, der Erwerbs- und der
Besitztrieb, die beide aufs engste mit dem Thätigkeitstriebe und
in gewisser Hinsicht auch mit dem Nahrungs- und dem Fort-
pflanzungstriebe zusammenhängen, der Ehrtrieb, der ebenfalls zu
dem Geschlechtstrieb in Beziehung steht, und der Spieltrieb, der
zum Teil ja ganz auf dem Bewegungstriebe beruht, zum Teil
jedenfalls enge Fühlung mit ihm hat: das ist im eigentlichen
Sinne beim Form- und Ton-, im übertragenen Sinne beim Dicht-
trieb der Fall, sofern es sich hier um geistige Beweglichkeit handelt.
Alle die letztgenannten Triebe sind also offenbar abgeleitete oder
sekundäre Triebe, als primäre Triebe können allein die instinktiven
gelten; zudem kommen bei jenen auch bereits besondere Vorstel-
lungen, mehr oder weniger bestimmte oder unbestimmte Zweck-
vorstellungen in Betracht, welche durch individuelle Erfahrung
erworben worden sind.
Diese fehlen bei den instinktiven Trieben zunächst ganz, in-
dem bei ihnen nur gefühlsbetonte Muskel- und Organempfindungen
auftreten; später kommen allerdings auch Zweckvorstellungen hinzu,
die dann als Ziele des Strebens oder Widerstrebens gelten, so dafs