Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 143
sondern vielmehr ein seiner Stellung und seines Wertes
sich wohl bewulster Beamter im Gesellschafts-Haus-
halte, im Gesellschafts-Betriebe. Ja, wir müssen sogar sagen,
dafs nur im Einzelgeiste eine energische Konzentration
auf ganz bestimmte Ziele möglich ist, während diese Fähig-
keit dem Gesamtgeiste abgeht, so dafs derselbe stets der
Einzelgeister als Wegweiser bedarf, um ihn zu wahrhaft
thatkräftiger Sammlung und sicherer Zielbewufstheit hinzuführen.
Freilich die Mehrzahl der Menschen vermag das nicht; bei der
Menge überwiegt das passive, das empfangende Moment; sie schart
sich um diejenigen, welche dazu befähigt sind: diese Wenigen sind
die führenden Geister, welche, indem sie die die Gesamtheit be-
wegenden Vorstellungen und Strebungen in sich zu selbstbewufster
Wirksamkeit erheben, und indem sie durch ihre, die anderer Per-
sönlichkeiten übertreffende Aktualität zur Leitung von Natur be-
rufen sind, in der Gemeinschaft tonangebend, um im oben ge-
brauchten Bilde zu bleiben, im Gesellschafts-Betriebe die Werk-
meister sind und demselben die Züge ihres individuellen Geistes
aufprägen. Diese führenden Geister begegnen uns in den mannig-
fachsten Wert-Abstufungen, je nachdem sie uns in den engeren
Lebenskreisen, der Familie, dem Berufsverbande, der Gemeinde,
oder in den weiteren, dem Stamme, dem Volke, dem Völkerver-
bande, als Weg weisend entgegentreten. Aber sie alle, auch die
bedeutendsten unter ihnen, auch die ganz grofsen, die Genies,
welche vielleicht ein Volk in seinem gesellschaftlichen Bau und
in seinen Handlungen zu modifizieren, welche vielleicht sogar die
ganze Kulturgesellschaft neuzubilden vermögen, unterhegen der
allgemeinen sozialen Bedingtheit. Auch bei ihnen bilden ja ererbte
Dispositionen geradeso wie bei allen anderen Menschen die Grund-
lage ihres geistigen Seins, und auch ihre Anlagen können nur
innerhalb der Gesellschaft und mit Hilfe der ihr zu Gebote stehen-
den Mittel ausgebildet werden. Ferner müssen in dieser Gesell-
schaft bereits gewisse Modifikationen vorhanden sein, welche die
von ihnen gethane That, den durch sie bewirkten Fortschritt
überhaupt ermöglichen. Die von dem grofsen Manne her-
beigeführten Veränderungen haben stets ihren Ursprung
in den Generationen der Vergangenheit, sind längst vor-
bereitet und harren nur gleichsam in latentem Zustande
dessen, der sie unter der Oberfläche wahrzunehmen im-
stande ist; der es vermag, seinen Zeitgenossen für das,
was ihnen not thut, und was sie blofs dunkel ersehnen,