Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
merklicli macht. Gewifs giebt es zahllose Einzelgeister, die sich
namentlich durch ihren Sonderwillen als solche dokumentieren;
aber schaut man genauer zu, so sehen sich alle diese Sonder-
willen, üerhaupt diese Sondergeister einander verzweifelt ähnlich
und weichen nur in nebensächlichen Kleinigkeiten voneinander
ab: sie sind eben alle Abwässer eines und desselben
grofsen Stromes, die blofs bald in ein enges und bald in
ein weites, bald in ein steiniges und bald in ein san-
diges Bett geleitet sind; die teils in schäumendem und
teils in ruhigem Laufe dahinfliefsen; die bald etwas
seichter und bald etwas tiefer sind.
Aber trotzdem darf man nicht in den Fehler des einseitigen
Historismus verfallen und die Einzelgeister als blinde Werkzeuge
des Gesamtgeistes, des unzweifelhaft wirklich vorhandenen Pro-
duktes natürlicher und historischer Faktoren, auffassen: dem
widerspricht die Thatsache der Existenz des Selbstbe-
wufstseins. Im Selbstbewufstsein erfafst sich der Einzelne in seiner
Selbstheit und Sonderheit und wird seiner individuellen Geistig-
keit im Gegensatze zu der aller anderen inne: im Selbstbewufst-
sein setzt sich der Mensch als Subjekt allen anderen Menschen,
der ganzen Welt gegenüber; alles aufser seinem Subjekt Selbst
ist Objekt, ist Gegenstand für dieses sein Selbst. Aber in eben
diesem Umstände offenbart sich mit der gröfsten Deutlichkeit und
Schärfe anderseits die Bedingtheit unseres Selbst; indem
wir uns im Selbstbewulstsein als Individuum, als Persön-
lichkeit erfassen, werden wir uns gleichzeitig der Be-
ziehungen bewufst, in denen wir zu unserer Umgebung
stehen; erkennen wir unsere geistige Abhängigkeit von
Vor- und Mitwelt, sehen wir, dafs wir denkens-, fühlens-,
wollenseins mit den Nicht-Selbsten sind. Im Selbstbewufst-
sein also erschlielst sich uns gerade unsere soziale Bedingtheit
ganz unwiderleglich sicher und bestimmt; im Selbstbewufst-
sein begreifen wir uns ganz als das, was wir sind, als
Glied-Ganze, indem wir, um nur noch einiges besonders heraus-
zugreifen, z. B. unserer Sprachvorstellungen, unserer Rechts-
anschauungen, unserer sittlichen Grundsätze als Eigen- und zu-
gleich als Gemeinbesitzes uns bewufst werden und damit unser
Sonderleben als solches und als Stück des Gemeinschaftslebens
in unmittelbarster und lebendigster Erfahrung erkennen und
erfassen. Also nicht ein blindes, überhaupt nicht ein
blofses Werkzeug des Gesamtgeistes ist der Einzelgeist,