Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 141
Menschenkind infolge seiner lange andauernden körperlichen Hilf-
losigkeit auf Jahre hinaus auf die Fürsorge anderer, in erster
Linie selbstverständlich seiner Eltern, dann aber auch seiner
sonstigen Verwandten und schliefslich sogar fremder Menschen
angewiesen ist, da weder die der Eltern noch die der Verwandten
immer ausreichend ist. Ja, bisweilen mufs es selbst die Fürsorge
seiner Angehörigen gänzlich entbehren und sich einzig auf die
der Gesellschaft verlassen, welche unter Umständen überhaupt
allein, indem sie bereits das keimende Leben unter ihre Obhut
nimmt, seine Existenz verbürgt, und welche in allen Fällen
seine Existenz-Möglichkeit aufserordentlich erleichtert
durch den Schutz, den sie seinen Eltern angedeihen
läfst.
Wie in leiblicher so ist aber ebenfalls in geistiger Hin-
sicht die soziale Bedingtheit des Individuallebens leicht
nachweisbar: das geht ja bereits zur Genüge aus den soeben mit-
geteilten Thatsachen hervor, da die Bedingung des geistigen das
leibliche Leben ist. Indem das Kind seinen Eltern, seinen Ver-
wandten, seinen Stammes- und Volksgenossen im körperlichen
Habitus gleicht, gleicht es ihnen auch auf geistigem Gebiete, in
seinen Trieben und Instinkten, seinen Empfindungs-, seinen Ge-
fühls- und Willens-Anlagen, kurz eben in seiner ganzen geistigen
Wesenheit. Die Seele des Kindes, um mich dieses Sammel-
namens um der Kürze des Ausdruckes willen zu bedienen, ist
ein Teil der sozialen Psyche, der sich unter deren Ein-
flüsse entwickelt, ist ein Stück knospenhaften Volks-
charakters, der sich allmählich unter dessen Auspizien
zur vollen Blüte entfaltet. Dieser Entwickelungs-, dieser
Entfaltungs-Prozefs stellt sich uns dar als die Individualisierung
des Kindes, indem der Mensch dadurch zu einer selbständigen
Persönlichkeit heranreift, welche der Gesellschaft gegenüber sich
als Einzelgeist mit besonderen Rechten und Ansprüchen und
Pflichten betont, und welche eine besondere individuelle Eigenart
den anderen Gesellschafts-Angehörigen gegenüber repräsentiert.
Dieser letztere Umstand beruht auf dem in allem Sein und Leben
zu Tage tretenden Faktor der Variation, den wir in seiner Wirk-
samkeit und, soweit das möglich war, in seinen Grenzen und Ur-
sachen kennen gelernt haben. Jenes anlangend ist zu sagen, dafs
diese Individualisation der Hauptsache nach nur eine scheinbare
und blofs soweit eine wirkliche ist, als die eben erwähnte Er-
scheinung in Aktion tritt, als die Variation reicht und sich be-