Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
vermag, wie wir sie überall und stets wahrnehmen. Diese in der
Erfahrung thatsächlich gegebene weitgehende Übereinstimmung
mufs eine andere, mufs eine natürliche Ursache haben; und eine
solche finden wir in der sozialen Bedingtheit des Individuallebens
in leiblicher wie geistiger Hinsicht, eine Bedingtheit, welche viel
weiter reicht, als dadurch ausgedrückt wird, wenn man von der
geselligen Natur des Menschen und seinen sozialen Trieben und
Neigungen spricht.
§ 30.
Was in erster Linie die soziale Bedingtheit des Indi-
viduallebens in leiblicher Hinsicht betrifft, so ist dieselbe
ohne weiteres einleuchtend, und es bedarf wahrlich keines grolsen
Scharfsinns und keiner besonderen Geschicklichkeit, um dieselbe
jedermann klar zu machen. Zunächst einmal ist darauf hinzu-
weisen, dafs der Mensch ja seine Entstehung der Verbindung
zweier Menschen verdankt, und dafs er somit in seiner körper-
lichen Konstitution die leiblichen Anlagen und Eigentümlichkeiten
dieser seiner beiden Erzeuger vereinigt. Ja, wenn wir bedenken,
dafs jeder seiner Eltern seine körperliche Beschaffenheit wieder
je zwei Menschen verdankt, und so immer weiter rückwärts gehen,
dann müssen wir doch sagen, dals ein soeben geborenes Kind
eine leibliche Gebundenheit an eine ganze, geradezu ungeheure
Menschenmenge aufweist. Aber damit ist gleichzeitig noch eine
andere Gebundenheit von aufserordentlich viel gröfserem Umfange
gegeben. Das kommt uns zur Einsicht, wenn wir erwägen, dafs
seine Eltern und Voreltern, mit den anderen Stammes- und Volks-
angehörigen unter die nämlichen natürlichen Lebensbedingungen
gestellt, im grofsen und ganzen deren Habitus, dieselben körper-
lichen Eigentümlichkeiten wie diese aufzuweisen haben. Indem
somit das Neugeborene an einer ganz bestimmten körperlichen
Beschaffenheit, der Beschaffenheit einer ganz bestimmten, mehr
oder weniger eng umgrenzten Menschheitsgruppe, eines besonderen
Sozialverbandes teilhat, nicht etwa als Mensch schlechthin in die
Welt eintritt, ist es gleichsam als natürliche Knospung eben dieser
Gesellschaft zu betrachten, als ein zu ihr gehörendes, niemals von
ihr ganz loslösbares Glied: es bleibt stets und unter allen
Umständen, auch bei etwaiger Versetzung in ein anderes
Milieu, als solches deutlich erkennbar; der seinem Leibe
ein- und aufgeprägte besondere soziale Stempel ist un-
verwischlich. Endlich ist daran zu erinnern, dafs das junge