Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 139
Weisheit und Tugend, Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäfsig-
keit, eine gewisse natürliche Superiorität eines Gliedes und eine
gewisse instinktmäfsige Unterordnung der anderen Glieder der
Hausgenossenschaft bedingen. Es handelt sich hier also gewisser-
malsen um eine Art von natürHchem Gesellschaftsvertrag im kleinen,
dem dann der Abschlufs des eigentlichen, auf klarer Überlegung
beruhenden Gesellschaftsvertrages im grofsen folgte, der die Bil-
dung von Staat und Gesellschaft zu genanntem Zwecke herbei-
führte. Wir werden später noch sehen, dafs fast alle diese Er-
klärungsversuche als nicht der Wirklichkeit entsprechend abzu-
weisen sind; hier gilt es, vornehmlich den Gesellschaftsvertrag
als blolse Fiktion erkennen zu lassen. Schon Hume spricht in
dieser Beziehung ausdrücklich von einer experimentellen Fiktion,
was ihn jedoch nicht hindert, in seinen eigenen Reflexionen über
die Entstehung der Gerechtigkeit Voraussetzungen zu machen, die
im wesentlichen auch auf diese Fiktion zurückgehen. Kant ver-
wandelt alsdann in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der
Sitten" den ,Contrat social" in eine blofse Idee, die keinerlei
historische Wahrheit besitze, aber so betrachtet werden soll, als
ob sie eine solche besäfse. Damit war nun freilich deutlich aus-
gesprochen, dafs die Grundvoraussetzung der individualistischen
Sozialtheorien eigentlich nur dem Bereiche der Phantasie angehört,
obwohl diese Konsequenz nicht offen eingestanden wird, weil ja
sonst der Bankerott des Individualismus hätte proklamiert werden
müssen. Und das können wir von keinem Individuahsten er-
warten; ein solcher klammert sich naturgemäfs heber an den Stroh-
halm einer Idee, als dals er seine Weltanschauung selbst als un-
haltbar hinstellt. Das ist sie aber in der That, wenn der Gesell-
schaftsvertrag nichts weiter als ein Phantasiegebilde, eine blofse
Fiktion ist; denn damit ist die Unfähigkeit des Individualismus
zugegeben, die Entstehung von Staat und Gesellschaft erklären zu
können. Der Individualismus, der nur viele Einzelwillen als real
gelten lälst, hat kein anderes Mittel zur Erklärung des Zustande-
kommens der Gemeinschaft als das der freiwilligen Übereinkunft,
werde dieselbe nun als historische Thatsache, wie bei Rousseau,
Locke, Hobbes u. a., anerkannt oder, wie bei dem grofsen Königs-
berger Philosophen, in das metaphysische Dunkel des letzten Ür-
sprungs der Dinge zurückverlegt. Dafs aber ein Gesellschafts-
vertrag irgendwelcher Art wirklich eine Fiktion ist, das geht
daraus hervor, dafs ein solcher niemals und nirgends eine der-
artige Übereinstimmung des Denkens und Handelns zu bewirken