Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 137
Wissensvermehrung glücklich mache, das ist leicht genug zu zeigen.
Wenn Byrons Manfred sagt:
„Leiden ist Wissen: wer am meisten weifs,
Beklagt am tiefsten die unsel'ge Wahrheit;
Der Baum des Wissens ist kein Baum des Lebens" —
so ist das zwar einseitig und übertrieben, aber ein tiefer Wahr-
heitskern steckt ganz sicherlich darin. Kann es doch nicht zweifel-
haft sein, dafs durch Einimpfung philosophischer und naturwissen-
schaftlicher Aufklärung schon viele „zarte, auf eine ideal ge-
stimmte Enge angelegte Gemüter" in dauernde Unruhe, ja Halt-
losigkeit gestürzt worden sind. Und dennoch mufs dies im Hin-
blick auf den höchsten Zweck des Lebens, im Hinblick auf den
Kulturfortschritt als das kleinere Übel, das nicht zu umgehen ist,
betrachtet werden.
Was nun die beiden ersten der erwähnten Punkte anlangt,
so sind die individualistischen Theorien, welche sich mit den Ur-
zuständen des menschlichen Geschlechtes und den ersten Gesell-
schaftsbildungen befassen, ganz willkürliche Phantasiegebilde,
denen keinerlei Erfahrung zur Grundlage dient. Hinsichtlich
dessen sind wir ja naturgemäfs überhaupt auf Vermutungen und
Schlufsfolgerungen nach rückwärts beschränkt; aber wir können
dabei doch zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit, sogar ziemlich
hohen Grades, gelangen, wenn wir die uns zu Gebote stehende
unmittelbare und historische Erfahrung gut zu benutzen ver-
stehen. Übrigens wagen sich schon in der Blütezeit des Individua-
lismus mancherlei Zweifel an der Richtigkeit der individualistischen
Sozialtheorien hervor, indem einzelne hervorragende Köpfe sich
nicht der Überzeugung, dafs sie unzulänglich und willkürlich
seien, verschliefsen konnten. Die ursprünglich ungesellige Natur
des Menschen, welche einen Urzustand völliger Isolierung des
Einzelnen bedingen sollte, sei es nun ein solcher des bellum
omnium contra omnes, wie ihn Hobbes annahm, sei es ein
solcher paradiesischer Unschuld, wie ihn Rousseau predigte,
leugneten bereits Grotius und Montesquieu, welche mit
Aristoteles den Hauptgrund der Vergesellschaftung und Staaten-
bildung vielmehr ganz richtig in den sozialen Trieben der Men-
schen sahen, aber dennoch die Gesellschaft, die Staatsgemeinschaft
auf freier Einwilligung der Beteiligten, also auf Vertrag beruhen
lassen; wenigstens spricht Grotius diese Ansicht klipp und klar
aus, während allerdings bei Montesquieu die Sache nicht so zweifel-
los sicher ist. Jedoch kann das wohl auch für seine Meinung ge-