Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
schichtlichen Lebens dafür wie dagegen sprechen. Daher
scheint das Richtige die Ansicht zu sein, welche Paulsen vertritt,
dafs nämlich mit der Steigerung der Kultur die Mannigfaltigkeit
und Intensität der Leiden wie der Freuden wachse; dafs das Wachs-
tum jedoch auf beiden Seiten gleich grofs sei und daher, wenn
Lust und Schmerz wie positive und negative Grölsen addiert
werden, die Summe stets dieselbe — Null — bleibe. Erinnern
wir uns des früher über die Verfeinerung des Organismus Gesagten,
so kann es ja nicht zweifelhaft sein, dafs diese Verfeinerung die
Lust- wie die Unlustgefühle gleichermafsen beeinflufst, indem sie
bewirkt, dafs beide intensiver werden. Die sich gegenüberstehen-
den Summen der Lust- und Unlustgefühle werden also gleichmäfsig
gröfser; somit kann sich weder ein Lust- oder Glücks- noch ein
Unlust- oder Schmerz-Überschufs ergeben. Demnach handelt
es sich nicht darum, ob die Menschen glücklicher werden
oder nicht, sondern es kommt einzig darauf an, ob sie
vollkommener werden oder nicht. Und das ist allerdings,
wie wir gesehen haben, der Fall. Das Glücklicherwerden ist eine
blofse Illusion, in der die Menschen befangen sind, freilich eine
sehr wichtige Illusion, sofern nämlich die meisten Menschen ihrer
bedürfen, um wirklich thätigen Anteil an der Kulturarbeit zu
nehmen. Nur wer auf den höchsten Höhen des Geistlebens steht,
vermag auf diese Illusion zu verzichten und, indem er weifs, dals
das Glück, wie die Menschen es verstehen, als ein dauernd lust-
voller Zustand überhaupt nie und nirgends existiert, dafs das
Glück immer nur ein momentanes und als solches nur Randver-
zierung des Lebens ist, dennoch seine Kräfte in den Dienst des
Lebens und seiner Zwecke, der Gattungs-Erhaltung und -Vervoll-
kommnung, der Kulturentwickelung und des Kulturfortschrittes
zu stellen. Es sind das die Humoristen in dem erhabenen Sinne
Jean Pauls, die noch durch Thränen lächeln; es sind das die
Nietzscheschen Adelsmenschen, die Menschen der tiefen Traurig-
keit, die trotzdem rastlos thätig sind und ihren Schmerz nur dann
verraten, wenn sie einmal für einen Augenblick glücklich sind,
indem sie da eine Art haben, das Glück zu fassen, als ob sie es
ersticken und erdrücken möchten, aus Eifersucht, wissen sie doch
so gut, dafs es ihnen immer wieder in Bälde entrinnt. Dafs im
besonderen die Ansicht eine illusionistische ist, welche die Aufklärer
des 18. wie die des 19. Jahrhunderts so energisch verfechten,
die Ansicht, dals die Ausrottung aller Verstandesvorurteile die
Menschen zur Glückseligkeit führe; dafs Wissenszunahme und