Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 135
genaueren Wahrnehmung, so dafs man gar nicht in der Lage ist,
feststellen zu können, ob denn nun auch wirklich der Zweck des
Gemeinschaftslebens erreicht worden ist oder nicht; das gilt in
ganz besonderem Mafse von dem, was man das innere Glück des
Menschen, seine moralische Zufriedenheit u. s. w. nennt. Endlich
ist noch Folgendes zu beachten. Wenn des Menschen Zweck, den
er immer und überall, den er vornehmlich auch im Gemeinschafts-
leben und durch dasselbe zu erreichen strebt, die Glückseligkeit
ist, so mufs das Urteil über den Wert einzelner Menschen wie
ganzer Völker einzig nach dem Glücke sich bemessen, das sie
genossen haben oder noch geniefsen; das sie ihren Zeitgenossen
verschafft haben oder noch verschaffen. Das ist aber durchaus
nicht der Fall, schon deshalb nicht, weil eben das Glück etwas
viel zu Vages und kaum recht zu Fassendes ist; weil man, um
ein Werturteil über jemanden fällen zu können, etwas Hand-
greifliches vor sich haben mufs: wir werten die Menschen nach
den Leistungen, welche sie zu Gunsten der Menschheits-Ent-
wickelung zu Tage gefördert haben. Einen anderen wirklich ob-
jektiven Mafsstab zur Beurteilung menschlichen Wertes giebt es
nicht. Man denke z. B. nur an alle die Leistungen, welche uns
in theoretischer Welterkenntnis weiter gebracht haben; deren Träger
und Vollbringer können an gar keinem anderen Mafsstabe als dem
bezeichneten gemessen werden: wo wäre denn das Glück, das sie
gebracht, zu finden! In Ansehung dessen sind diese Leistungen
zumeist ganz irrelevant, und sie müfsten demzufolge als neben-
sächlich und gleichgiltig angesehen werden. So ist das Glück der
Menschen doch unzweifelhaft ganz unabhängig davon, ob sie
wissen, dafs die Erde sich um die Sonne bewegt, oder ob sie
glauben, dafs das Umgekehrte der Fall sei. Freilich haben die
grofsen Leistungen des Menschengeistes, welche die Entwickelung
der Menschheit in irgendeiner Weise gefördert haben, nicht selten
auch deutlich nachweisbare beglückende Folgen gehabt; aber diese
sind durchaus blofs als Nebenerfolge zu betrachten. Wäre dem
nicht so, dann müfste die Kulturentwickelung ja eine beständige
Glückszunahme, ein Anwachsen des Lust-Quantums der Menschheit
zur Folge haben: die Menschen müfsten im Verlaufe der Kultur-
entwickelung immer glücklicher werden. Dafür sprechen jedoch
keinerlei positive Anzeichen; wenn man die Geschichte zu Rate
zieht, um die Frage zu entscheiden, ob die Menschen mit fort-
schreitender Zivilisation glücklicher geworden sind oder nicht, so
mufs man sagen, dafs ebensoviele Thatsachen des ge-