Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 133
des alten Individualismus ist jedoch der neue sehr von jenem ver-
schieden. Vor allen Dingen tritt er nicht mehr gesondert auf,
sondern als blofser und zwar sekundärer Bestandteil der neuen
Weltanschauung, des Universaliamus, welcher an die Stelle des aus
dem naiven Zusammengehörigkeits- und dem naiven Selbstherrlich-
keitsgefühl entsprungenen einseitigen staatlichen und hierarchischen
Universalismus von Altertum und Mittelalter und des überstiegenen
Individualismus der Aufklärungszeit das auf dem umfänglichsten
und tiefgründigsten Erfahrungswissen beruhende reflektierte Bewufst-
sein setzt, dafs der Mensch ein sozial-individuales Wesen
ist; des Universalismus, welcher somit sozial und individual zu-
gleich ist und daher eine Entwickelungsstufe bezeichnet, welche
den beiden vorangegangenen gegenüber als höhere Einheit zu
gelten hat. Der Universalismus hebt diese beiden früheren
Entwickelungsstufen auf, indem er sie zu seinen Mo-
menten herabsetzt, sie in sich vereinigt und miteinander
zu einem Ganzen verschmilzt: an die Stelle früherer
Einseitigkeiten tritt mit ihm vielseitige Einheitlichkeit.
Die individualistische Forderung, dafs jeder Einzelne das Recht
für sich in Anspruch nehmen und energisch verfechten dürfe, alle
seine Kräfte frei entfalten, sich voll „ausleben" zu können, läfst
der Universalismus durchaus gelten, wie er auch nichts gegen die
soziale Wertung der Persönlichkeit seitens des Individualismus ein-
zuwenden hat; aber schon hier weicht er sehr erheblich von diesem
ab, indem er in der sozialen Wertung die W^ertung überhaupt,
die einzig mögliche Wertung des Menschen erblickt, welche als
objektive in der dynamischen Wertung der Persönlichkeit ihr
subjektives Komplement flndet. Mit aller Energie aber wendet
sich der Universalismus gegen die Voraussetzungen, von denen der
Individualist ausgeht, gegen die Setzung der Einzelpersönlichkeit
als absolutwertigen Wesens von Gottes oder der Natur Gnaden,
das seinen Zweck in sich selber trägt; das nur um seiner selbst
willen existiert und demgemäfs blofs um seiner selbst willen lebt,
sich entwickelt und mit anderen ebensolchen Wesen in Gemein-
schaft tritt. Dem widerspricht, wie wir gleich noch sehen werden,
die soziale Bedingtheit des Individuallebens, wie sie die Erfahrung
uns vor Augen führt; dem widerspricht aber auch a priori bereits
die logische Unmöglichkeit, ein solches absolutwertiges, an und
für sich bestehendes, den Mafsstab für seine Schätzung einzig in
sich selbst tragendes Wesen denken zu können: ein solches er-
scheint uns ohne weiteres als contradictio in adjecto. Alles, was