Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
ihm John Locke mit seinen Toleranzbriefen an die Seite gestellt
werden; ein Jahrhundert später dichtete im Spinozistischen Geiste
Lessing den „Nathan", dieses Hohelied der religiösen Duldsam-
keit, und Friedrich der Grofse verkündete seinen ünterthanen, dafs
im preufsischen Staate jeder „nach eigener Façon" selig werden
dürfe. Ferner verdanken wir dem Individualismus und seinen
tapferen Wortführern wie am Beginne seiner Laufbahn im Anfange
des 16. Jahrhunderts die Reformation so zur Zeit seiner höchsten
Blüte am Ausgange des 18. Jahrhunderts die grofse Revolution,
welche von Frankreich aus allmählich weiter wirkend die ganze
europäische Kulturwelt in ihrer politischen Organisation umge-
staltete. Die französischen Philosophen des 18. Jahrhunderts liefen
mit aller Macht, die ihnen ihr Geist und ihre Beredsamkeit ver-
liehen, Sturm gegen die Gesellschaft mit ihren einengenden kon-
ventionellen Formen und versuchten den Widerspruch anschaulich
zu machen, in welchem das Bestehende in Staat und Gesellschaft
mit den Forderungen der Vernunft stehe. Alles für fest Geltende,
das seine Existenz nicht vor der Vernunft zu rechtfertigen ver-
mochte, suchten sie in dem Glauben der Menschen zu erschüttern
und dem denkenden Individuum das volle Bewufstsein seiner un-
bedingten Freiheit zu geben, in ihm das Bewufstsein der absoluten
Autonomie zu wecken. So ist der gemeinsame Charakter dieser
Männer die Oppositionstendenz gegen alles herrschende Unfreie
und Verkehrte, um es der Verachtung und dem Hasse preiszugeben
und seinen schlielslichen Umsturz zu bewirken. Freilich die Konse-
quenzen des endlich eingetretenen Umsturzes und der durch ihn
bedingten und nach und nach erfolgten Umgestaltung des politischen
Lebens der europäischen Kulturvölker sind nicht so weittragende
gewesen, wie jene Apostel der Opposition gehofft haben: die voll-
ständige Demokratisierung der Völker ist noch nicht erreicht ;
noch immer giebt es Standesvorrechte und herrschende Klassen,
wenngleich von anderer Art als vordem, und noch immer ver-
suchen die letzteren in ihrem brutalen Klassen-Egoismus der grofsen
Masse des Volkes wichtige Rechte vorzuenthalten oder doch die
ihm unter dem Zwange der Verhältnisse gewährten und zuge-
standenen nach Kräften zu verkürzen. Darum hat auch heute noch
nicht die Berufung auf das Evangelium des revolutionären Indivi-
dualismus, den berühmten „Contrat social" Rousseaus mit
seiner Verkündigung der allgemeinen Menschenrechte und seiner
Predigt von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, aufgehört.
Trotz dieser gelegentlichen Berufung auf die zündendste Schrift