Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
dereinst in dieselbe eingehen und des seligen Glückes, das sie zu
gewähren verspricht, teilhaftig werden zu können. Dem Natura-
listen ist die Gesellschaft eine Schutzanstalt, der Staat im beson-
deren ist um des äufseren Mein und Dein willen, zur Sicherung
der Güter geschaffen worden, welche als Kampfpreis aus dem
Widerstreite des bewufsten menschlichen Willens mit den mecha-
nischen Kräften der Natur davongetragen worden sind; seine Auf-
gabe ist die Aufrechterhaltung der Eigentumsordnung, und seine
Mission besteht in der Wachsamkeit, dafs die errungenen Kultur-
güter nicht wieder verloren gehen, damit des Einzelnen Glück
nicht in Frage gestellt werde, sondern möglichst jeder seine Be-
stimmung, hier auf Erden glücklich zu sein, erreiche. Hier wie
da dreht sich somit alles um das Individuum, kommt alles auf des
Einzelnen Glück an, ist der Mensch Selbstzweck. Die Gemein-
schaft ist ein blofses Konglomerat von Individuen, wie der Sand-
stein ein solches von Körnern; alle Erzeugnisse des menschlichen
Geistes, die wie Religion, Sitte, Moral, Recht, Sprache so deutlich
auf einen Gesamtgeist hinweisen, werden als Produkte willkür-
licher göttlicher und menschlicher Satzung oder menschlicher Ver-
einbarung oder vager Zufälligkeit erklärt. Die wirkliche Existenz
eines Gesamtgeistes wird entweder rundweg geleugnet und dieser
als blofse Summe isolierter Geisteselemente, das gemeinsame Wollen
und Handeln, das nicht in Abrede zu stellen ist, als Resultante
zahlreicher Einzelbestrebungen aufgefafst, oder das alles wird über-
haupt noch gar nicht als Problem erkannt: mit naiver Unbe-
kümmertheit und mit naivem Hinwegsehen über alle die That-
sachen, welche so lebhaft und eindringlich dagegen sprechen, wird
das menschliche Individuum auf den Thron der unumschränkten
Selbstherrlichkeit gesetzt. Ist das erstere namentlich der Fall bei
den individualistischen Denkern des 19. Jahrhunderts, so das
letztere bei den früheren, im besonderen bei denen des 18. Jahr-
hunderts, welche, teils beseelt von einem glühenden, in hinreifsen-
der Beredsamkeit sich äufsernden gefühlvoll-romantischen Enthusias-
mus, teils begabt mit einem schneidig-scharfen, bald in schonungs-
loser Spottsucht, bald in mehr oder weniger herber Polemik zu
Tage tretenden Verstande, die königlichen Rechte des Individuums
verfechten und die Losungsworte der absoluten Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit ausgeben. Zu ihnen gehören Männer wie Voltaire,
Montesquieu, Rousseau, die Encyklopädisten, David Hume, Adam
Smith und die stattliche Reihe der deutschen Aufklärungs-Philo-
sophen und -Pädagogen,