Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 129
mit all den andern Menschen, wodurch das Recht aller auf alles
illusorisch gemacht wird, indem die Sicherheit des Genusses fehlt.
Darum gebieten Natur und Vernunft, dafs die Menschen sich zu-
sanimenthun, einen Gesellschaftsvertrag schliefsen und, indem sie
freiwillig ihr natürliches Recht auf alles in etwas einschränken,
sich gegenseitig Schutz gewähren bei Verfolgung dieses einge-
schränkten Rechtes, wodurch sie ihren Zweck weit eher zu er-
reichen imstande sind. Dieser Zweck besteht in der Glückselig-
keit; die individuelle Eudämonie, in äufserlicher wie innerlicher
Hinsicht, ist das Ziel alles Strebens, jeglicher Thätigkeit, ist eben
die natürliche Bestimmung des Menschen. Alle Institutionen
müssen diesem Zwecke dienen, und entsprechen sie ihm nicht, so
sind sie abzuändern.
Wie in seinen sonstigen Voraussetzungen weicht der Naturalist
also auch in den zuletzt erwähnten Festsetzungen, die Bestimmung
des Menschen und den Zweck des menschlichen Lebens betreffend,
von dem Idealisten ab; aber die Abweichung ist in diesem Falle
im Grunde genommen ebenso geringfügig wie in jenem. Ob des
Menschen absoluter Wert auf der Gottesebenbildlichkeit seiner
unsterblichen Seele beruht oder in seiner Natur an und für sich
begründet liegt, das kommt im Effekt ganz auf eins heraus,
und dasselbe gilt bezüglich der Bestimmung des Menschen. Der
Naturalist sieht diese in der individuellen Eudämonie, im inner-
lichen und äufserlichen Erdenglück des einzelnen Menschen. Der
Idealist hält solches Erdenglück für gleichgiltig und nebensächlich,
bisweilen sogar für schädlich, wenigstens sofern es sich um äufser-
liches handelt; aber auch ihm ist des Menschen Bestimmung letzten
Endes nichts anderes als die individuelle Eudämonie, nur dafs er
dieselbe aus der Erfahrungswelt in eine transzendente Welt, aus
dem Diesseits in ein Jenseits, verlegt, das bald als Himmel, bald
als Geisterreich oder Reich der Ideen oder ähnlich bezeichnet wird.
Man sieht: irgendwelche Beschaffenheits - Unterschiede bestehen
nicht zwischen der idealistisch- und der naturalistisch-individua-
listischen Auffassung des Menschen, sondern nur gewisse Grad-
Unterschiede. Dementsprechend sind natürlich auch die Unter-
schiede in den auf die Regelung des praktischen Lebens sich be-
ziehenden Festsetzungen, in den Sozial-Theorien im besonderen,
nur geringfügig und von ganz nebensächlicher Art. Dem Idealisten
ist, wie gesagt, die Gesellschaft gewissermalsen eine Erziehungs-
anstalt, in welcher einer dem andern helfen soll, immer würdiger
des Lebens in der transzendenten Welt zu werden, um mit Ehren
Bergemauu , Soziale Pädagogik. 9