Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Universalismus des Mittelalters, gegen den Gewissenszwang der
Kirche ging aber noch eine andere, allgemeinere Empörung; denn
nicht nur das Gewissen war von der Kirche in Banden geschlagen
worden, sondern auch die Intelligenz: wie jeder nur glauben sollte,
was die Kirche lehrte, und mit seinem Gotte nur durch Vermitte-
lung der Priester, der Diener der Kirche, verkehren durfte, so war
es auch niemandem gestattet, anders als mit den Gedanken der
Kirche und ihrer Vertreter zu denken. Die allmählich in das
Anfangsstadium der geistigen Mündigkeit eintretenden, die zum
Selbstbewufstsein erwachenden Völker Europas wollten davon nichts
mehr wissen; und griff man in jenem Falle zu den Dokumenten
des Urchristentums zurück, aus denen man die Waffen zur Be-
freiung der Gewissen in ausreichender Zahl und genügender Schärfe
entnehmen konnte, so in diesem zu den Werken der antiken Philo-
sophen, im besonderen der auch schon ganz von individualistischem
Geiste durchtränkten Schriften der Neo-Platoniker. Aber auch die
anderen wurden eifrig studiert und hatten ihre Anhängerkreise
aufzuweisen; wollte man doch vor allem überhaupt zeigen, dafs
man mit der mittelalterlichen Gebundenheit des Denkens an die
Autorität der Kirche endgiltig gebrochen habe und zu selbständiger
AVahl der Autoritäten sich berechtigt und berufen fühle. So wett-
eiferten Reformatoren und Humanisten miteinander, dem Indivi-
dualismus die Wege zu bahnen.
In der weiteren Entwickelung desselben macht sich nun neben
der idealistischen die bereits erwähnte naturalistische Strömung
geltend; beide kreuzen sich jedoch häufig, vereinigen sich nicht
selten für kürzere oder längere Zeit miteinander und wirken
wechselseitig befruchtend aufeinander ein; beide führen auch im
ganzen zu den nämlichen Konsequenzen und weichen nur in der
Begründung teilweise voneinander ab. Wie der Idealist so geht
auch der Naturalist von dem Individuum als solchem aus; während
aber jener dessen Absolutwertigkeit auf die Gottesebenbildlichkeit
seiner unsterblichen Seele zurückführt, so erblickt dieser in der
menschlichen Natur schon einen hinreichenden Grund für deren
Proklamation: von Natur aus eignet dem Menschen eine gewisse
unzerstörbare Würde; von Natur aus sind der menschlichen Per-
sönlichkeit gewisse unveräufserliche Urrechte verliehen; von Natur
aus sind alle Menschen vollkommen frei, gleich und unabhängig
und haben alle ein Recht auf alles. Wenn aber jeder Einzelne
von diesem seinem natürlichen Rechte schrankenlos Gebrauch
macht, was er freilich darf, so führt das zu zahllosen Kollisionen