Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 127
Prinzip die Gewalt des physischen oder sittlichen Bösen nicht so-
fort und gänzlich bezwingen, dafs es die Menschheit nicht in eine
Welt versetzen konnte, wo sie der Notwendigkeit eines unab-
lässigen Kampfes mit den bösen Mächten überhoben gewesen
wäre, sie aber fähig machen konnte und gemacht hat, den Kampf
kräftig und mit zunehmendem Erfolge zu führen." Einer obiger,
meiner Auffassung fast ganz analogen begegnen wir bei E. von
Hartmann und nach seinem Vorgange und Vorbilde bei Volkelt
und Lipiner, welche auch noch den Begriff der tragischen Schuld
auf die Gottheit anwenden: besonders Lipiner hat diesen Gedanken
in seinem lyrischen Epos ,Der entfesselte Prometheus" zu
einem kühnen Ausdrucke gebracht. Er weist auch energisch
darauf hin, dafs endlich der Gotteskampf zu einem positiv sieg-
reichen Abschlüsse führen werde, was ebenfalls Volkelt betont,
während Hartmann im Nirwana das Endziel desselben erblickt.
Das alles hindert jedoch nicht die bereitwillige und freudige
Anerkennung dessen, dafs die irrige Annahme der Existenz eines
persönlichen Gott-Weltschöpfers und Gott-Weltlenkers und einer
sein Ebenbild tragenden, unsterblichen und absolutwertigen
Menschenseele zu grofsen Thaten begeistert hat, zu einer Zeit, da
die Kritik noch nicht hinreichend erstarkt war und ihr die sichere
Grundlage eines umfänglichen Erfahrungswissens noch fehlte. Der
kräftige Appell an das menschliche Selbstgefühl, mit welchem die
Neuzeit einsetzt, nämlich dafs in Glaubenssachen kein Zwang
herrschen dürfe, dafs hier das Individuum auf eigenen Füfsen
stehen müsse, die kühne Proklamation der Freiheit eines Christen-
menschen stützt sich darauf. Nicht Menschensatzung soll die
Seele in Fesseln schlagen, sondern nur Gottes Satzungen sind für
sie verbindlich; an die Stelle der Gottes Ebenbild knechtenden
Hierarchie mufs das Reich Gottes treten, dessen Joch sanft und
leicht ist, und das nicht zitternde Sklaven, sondern freie
Menschen, die sich gern und willig ziehen lassen, braucht. Diese
energische Regung des Individualismus, mit welcher in der euro-
päischen Kulturwelt eine ganz neue Ära beginnt, ist entsprungen
aus der von der Not, dem unleidlich gewordenen Gefühle der Ge-
wissensbedrückung geborenen und nunmehr unaufhaltsam sich
Bahn brechenden Idee der Toleranz und ward genährt von dem
individuahstischen, ja anarchischen Geiste des Urchristentums,
zu dessen durch den Wust der Tradition so lange verschüttet
gewesenen Quellen die Reformatoren wieder zurückkehrten
Hand in Hand mit dieser Auflehnung gegen den hierarchischen