Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Welt ist Gott. Ein besonderes und vollkommenes göttliches
Wesen aufser der Welt anzunehmen, liegt nicht nur kein Grund
vor; sondern eine solche Annahme ist im Hinblick auf die That-
sachen der Erfahrung und in Gemälsheit der für unser Denken gil-
tigen Gesetze geradezu als völlig unberechtigt abzuweisen. Sprechen
wir von der Gottheit, von Gott, so können wir, im religiösen
Bilde, nicht anders von ihm sprechen als von einem ringen-
den und kämpfenden Helden, der nimmer ruht und nimmer
rastet; dessen Lebens- und Schafifensdrang unersättlich und uner-
schöpflich ist; der nichts andres erstrebt denn beständige Ver-
vollkommnung der Welt, beständige Erhöhung und Verfeinerung
des Lebens — das will besagen: seiner selbst als des Trägers
von Welt und Leben, seiner selbst, der die Welt und das Allleben
selber, ein nicht schon vollkommenes, sondern erst Vollkommenheit
erstrebendes Wesen ist. Diese Auffassung liegt wahrlich jedem
konsequent denkenden Menschen angesichts der grofsen Unvoll-
kommenheiten in der Welt, der vielen Übel, des mannigfachen Leids
und des zum Himmel schreienden Bösen im Leben der Organismen,
im besonderen der Menschen so nahe, dafs man sich billig wundern
mufs, sie nicht allgemein verbreitet zu sehen und allgemein aner-
kannt zu finden. Hin und wieder ist sie aber in der That aufgetaucht,
so eigentlich schon in der Lehre vom Demiurg und in Piatons
Ansicht, dafs vollkommene, durch die spröde Zähigkeit des Stoffes
nach jeder Richtung hin beschränkte und behinderte Güte die Welt
so geschaffen habe, wie sie ist, weil sie es besser zu machen nicht
imstande war. In der neueren Zeit hat in gewisser Hinsicht die
Lehre vom Demiurg wieder aufgegriffen Lichtenberg, der in
seinen „Vermischten Schriften" einmal sagt: „Schon vor vielen
Jahren habe ich gedacht, dafs unsere Welt das Werk eines unter-
geordneten Wesens sein könne, und noch kann ich von dem Ge-
danken nicht zurückkommen. Es ist eine Thorheit, zu glauben,
es wäre keine Welt möglich, worin keine Krankheit, kein Schmerz
und kein Tod wäre. Denkt mau sich doch den Himmel so! Von
Prüfungszeit, von allmählicher Ausbildung reden, heifst sehr mensch-
lich von Gott denken und ist blofses Geschwätz. Warum sollte
es nicht Stufen von Geistern bis zu Gott hinauf geben und unsre
Welt das Werk von einem sein können, der die Sache nicht recht
verstand, ein Versuch?" Während der platonischen Auffassung sich
mehr oder weniger anschliefst John Stuart Mill, der sich
in seiner Schrift „Über Religion" u. a. so äufsert: „Die einzig
sittlich zulässige Theorie der Schöpfung ist, dafs das göttliche