Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 125
Entwickelung gemäfs erstrebende Welt. Das erkennen wir ja mit
gröfster Deutlichkeit an den vielen „Unpraktischkeiten" der Natur,
welche uns zeigen, dals die Welt keineswegs vorgeplante
Schöpferweisheit, sondern das Ergebnis unendlich lauger, allmäh-
licher, schwieriger und langsam sich verbessernder „Selbstmache"
ist. Dafs von vorgeplanter Schöpferweisheit »nirgends die Rede
sein kann, dafür gelte u. a. ein Wort von Helmholtz, das mensch-
liche Auge betreifend, als Beweis. Helmholtz, der doch von dieser
Sache wirklich etwas verstand, sagte einmal: alle Gesamtleistung
in Ehren würde er dennoch einen menschlichen Mechanikus, der
ihm einen Apparat mit so vielen Mängeln und überflüssigen Er-
schwerungen gebracht hätte, als Stümper samt seinem Werke
in Schanden heimgeschickt haben. Ferner möchte ich hinweisen
auf die zahlreichen im Liebesleben der Tiere sich findenden Hinder-
nisse, welche den Begattungsakt, also die Fortpflanzung, die
Lebens-, die Gattungserhaltung, worauf doch als das primär
Wichtigste so unendlich viel, ja alles ankommt, aufserordentlich
erschweren und nicht selten geradezu völlig problematisch machen,
so bei den Schnecken, den Austern und den Tintenfischen; und
bei den Spinnen setzt das männliche Tier im Liebesakt direkt
sein Leben aufs Spiel, indem es Gefahr läuft, statt die Begattung
vollziehen zu können, von der weiblichen Spinne gefressen zu
werden. Endlich mufs darauf aufmerksam gemacht werden, dafs
die Natur bisweilen sich auch in eine Sackgasse verrannt hat,
wofür der Bienenstaat ein deutlicher Beweis ist. Wir haben
hier zwar auf der einen Seite die grofsen Vorteile einer sozialen
Einigung, einer riesigen SchutzgBnossenschaft, in der jedes Indi-
viduum an vielen tausend anderen einen Anhalt und einen Rück-
halt findet und die glücklichsten Arbeitsteilungen möglich sind;
aber auf der anderen Seite haben wir die schwere Gefahr, dafs
gewisse Institutionen, so eine noch ganz mangelhafte und rohe
Regelung der Geschlechtsverhältnisse, zur „Staatsraison" erhoben
werden, womit sie ihre innere Beweglichkeit zur Fortentwickelung
verlieren und endlich „wie ein versteinerter Klotz seelenlos über
den Genossen des Verbandes liegen, alles quetschend und lähmend".
Von den Unvollkommenheiten der Welt müssen wir einen
entsprechenden Rückschlufs auf den Weltträger machen, und
wir können das mit um so grösserem Rechte, da wir den-
selben ja als weltimmanent aufzufassen genötigt sind; da der-
selbe, was aus dieser Weltimmanenz sich ergiebt, als wesenseinS
mit der Welt zu betrachten ist: Gott ist die Welt, und die