Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 123
zendenz auch gar nicht in irgendwelcher Erfahrung gegeben sein.
Nun bleibt aber noch die Möglichkeit, dafs seine Existenz auf Grund
der Thatsachen der Erfahrung erschliefsbar sei; dafs wir ihn als
seiend annehmen müssen, um das, was wir wahrnehmen, was sich
uns in der Erfahrung bietet, erklären zu können. Jedoch auch
diese Möglichkeit ist durchaus hinfallig: wir können nicht auf einen
transzendenten Gott als Urheber und Regent der Erfahrungswelt
schliefsen; denn zwischen einem transzendenten Gott und unserer
Erfahrungswelt giebt es und kann es schlechterdings keinen Zu-
sammenhang und keine Verbindung geben. Sicherlich müssen wir
in Gemäfsheit unserer Denkgesetze auf einen Urgrund der be-
stehenden Welt schliefsen, also, religiös gesprochen, auf einen
Gott, dem diese Welt ihren Ursprung und ihren Bestand verdankt;
aber dieser Gott kann nicht als ein transzendentes persönliches,
sondern mufs als weltimmanentes unpersönliches Wesen gedacht
werden. Denn einen aufserweltlichen Gott als höchste schöpfe-
rische Monas annehmen heifst, das Streben nach Welterkenntnis
als thöricht, weil vöUig nutzlos, hinstellen, heilst auch, die
Wurzeln des Schönen und des Guten in der Welt untergraben.
Des Schönen: denn „das Wesen des freien schöpferischen Gottes',
sagt Volkelt einmal mit Recht*), „hat einen Bruch in sich,
an dem Punkte nämlich, wo er die Welt setzt; seine freie
Schöpferthat ist Freiheit auf Kosten der Notwendigkeit, ursach-
und rücksichtslose Aktivität. Wie soll die Welt, die aus diesen
metaphysischen Prinzipien entspringt, Platz haben für die Schön-
heit mit ihrem Zusammenfallen von Freiheit und Gebundenheit,
Ernst und Heiterkeit?" Des Guten: denn trägt nicht ein Gott,
dessen Wesen in der Transzendenz besteht, der sich der Welt
gegenüber als Person bejaht, das Prinzip des Egoismus in sich?!
Ferner ist es auch noch aus einem anderen Grunde ganz un-
möglich, Gott, das Absolute als Person zu denken; denn der Be-
griff der Persönlichkeit bedeutet eine Einschränkung, welche bei
dem Weltträger, wie von selbst einleuchtet, vollständig unange-
bracht ist. „Als Personen fühlen und wissen wir uns nur im
Unterschiede von anderen gleichartigen Personen aulser uns, von
denen wir uns unterscheiden", sagt Straufs in seinem Werke
„Die christliche Glaubenslehre in ihrer geschichtlichen
Entwickelung und im Kampfe mit der modernen Wissen-
*) Man vergleiche: Volkelt, „Der Symbolbegriff in der neuesten
Ästhetik.«