Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 18. Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung. 121
Zwei individualistische Hauptströmungen lassen sich
unterscheiden, eine idealistische und eine naturalistische.
In der idealistischen Auffassung, welche auf bald mehr bald
■weniger mystischen Voraussetzungen ruht und im einzelnen viel-
fach variiert und modifiziert auftritt, ist der Ausgangspunkt die
dem Menschen als ihm innewohnende Monas angedichtete Seele,
der gegenüber der Leib als etwas durchaus Nebensächliches, ja
als ein Hindernis zu gelten hat, das überwunden werden mufs:
der Körper ist dieser Anschauung zufolge blofse Durchgangs-
station der Seele oder gar blofser Schein, Produkt, allerdings
notwendiges Produkt der Seele, das sie nach ihr einwohnenden
Gesetzen erzeugen mufs, aber eben nicht mehr als ihre Vor-
stellung ist. Die Seele wird aufgefafst als beruhend auf einem,
jeder Erfahrung sich entziehenden Akte individualisierender meta-
physischer Selbstsetzung, indem das Absolute aus seiner noume-
nistischen Existenz heraustritt und Phänomenen wird, oder sie gilt
als von Gott geschaffen und als das Abbild des Schöpfers, der
Gottheit: jedenfalls, so oder so, ist sie absolutwertig und unsterb-
lich. Da unter den Pädagogen, soviel ich sehe, fast nur die
letztere Ansicht verbreitet und zudem jene blofs eine philo-
sophische Abart derselben ist, werde ich mich im Folgenden darauf
beschränken, an ihr Kritik zu üben.
Die Absolut Wertigkeit der Seele bedingt nun alle nur mögliche,
auf ihre Entwickelung und Entfaltung zu verwendende Sorgfalt, damit
des Schöpfers Ebenbild im Menschen auch wirklich zur reinen und
vollen Ausgestaltung und Darstellung gelange. Von diesem Gesichts-
punkte aus ist alles zu betrachten und jegliches Thun zu beurteilen;
von diesem Gesichtspunkte aus ist auch das Gemeinschaftsleben zu
erklären: dasselbe ist gleichsam eine um der Seelen-Entfaltung
jedes Einzelnen wiUen von den zur Reife gelangten Individuen
geschaffene, riesige Erziehungsanstalt. In dieser Anschauung ist
ein grofser fundamentaler Irrtum enthalten, oder es stecken viel-
mehr sogar zwei solche Irrtümer darin. Die Existenz einer
besonderen Seelen-Monas ist uns in keiner, aber schlechterdings
gar keiner Erfahrung gegeben, und aufserdem drängen die That-
sachen der Erfahrung durchaus nicht zu der Annahme einer
solchen hin: diese Annahme ist demnach als eine vollständig will-
kürliche und somit unberechtigte Hypothese zu betrachten, die
fallen gelassen werden muls. Eine Seelen-Monas ist vom Stand-
punkte der heutigen Wissenschaft als ein blofses Fabelwesen an-
zusehen; was wir Seele nennen, ist nichts weiter als aktuelle