Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
Zweiter Teil.
Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Unzulänglichkeit der individualistischen Auffassung.
Die soziale Bedingtheit des Individuallebens.
§ 18.
Kaum auf einem anderen Gebiete menschlicher Kraft-
bethätigung hat der Individualismus so feste Wurzeln gefafst als
auf dem der Erziehung, und nirgends anderswo hält es so schwer,
die Menschen von seiner gänzlichen Unzulänglichkeit zu überzeugen,
wie gerade hier. Der Grund für diese Erscheinung ist in dem eigen-
artigen Verhältnisse zu suchen, das zwischen Erzieher und Zög-
ling besteht, und das dem Erzieher die Notwendigkeit auferlegt,
der Individualität des Zöglings weitestgehende Berücksichtigung
angedeihen zu lassen, in viel höherem Grade jedenfalls, als dies
sonst bei dem Verhältnisse eines Menschen zu einem anderen der
Fall zu sein pflegt und erforderlich ist. So kommt es ganz
naturgemäfs nur zu leicht dahin, dafs man das Individuelle über-
schätzt und das Generelle übersieht; dafs man schliefslich völlig
den rechten Mafsstab für die Wertung der Persönlichkeit verliert,
indem ihre soziale Bedingtheit dem allzu ausschliefslich auf die
Herausarbeitung des Besonderen gerichteten Blicke des Erziehers
entgeht. Er sieht in dem Gegenstande seiner Bemühungen ein
für sich bestehendes Wesen mit einer eigenen, beziehungslosen
knospenhaften Leiblichkeit und Geistigkeit und findet seine Auf-
gabe darin, die Knospe zur Entfaltung zu bringen, einfach nur
deshalb, weil diese Entfaltung ihre Bestimmung sei, ihre gött-
liche oder ihre natürliche. Diese Auffassung, so nahe sie dem
Erzieher auch immer liegen mag, aus dem angegebenen Grunde,
und so plausibel sie überhaupt auf den ersten Blick erscheint, ist
dennoch eine falsche, auf nur oberflächlicher, nicht auf tiefgründiger
Empirie beruhende. Sie hält sich einzig an die freilich unleug-