Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 15. Erziehungsfunktionen. lül
die Argumente Herbarts und Zillers wiederholt und keine neuen
hinzugefügt werden. Stoy hat das Unternehmen, Regierung
und Zucht gegeneinander scharf abzugrenzen, klugerweise ganz
aufgegeben und subsumiert die Regierung einfach unter die
Zucht.
Diese zwei Erziehungsfunktionen, Unterricht und Zucht, ent-
sprechen nun doch ganz offenbar nicht der Vielgestaltigkeit der
Erziehungsarbeit, weil sie in keiner Weise auch nur annähernd
der Vielgestaltigkeit der menschlichen Natur Genüge leisten. Statt
aus dieser in ihrer Totalität abgeleitet zu sein, berücksichtigen
sie vielmehr blofs diese und jene einzelne Seite derselben; vor
allen Dingen wird ganz und gar die physiologische Bedingtheit
des Seelenlebens übersehen und die Pflege, die als fundamentale
Erziehungsfunktion eben dieser Bedingtheit wegen, wie wir sahen,
zu betrachten ist, nicht als besondere Erziehungsfunktion aner-
kannt. Wo Herbart von der Regierung spricht, macht er nur
die ganz kurze Bemerkung, dafs dabei „die nötige Wartung
und Pflege zum körperlichen Gedeihen ohne Verweichlichung und
gefährliche Abhärtung" vorausgesetzt werde. Die Pflege ist also
nur ein Stück Regierung, etwas blols Propädeutisches, und ganz
dasselbe ist sie nach Zillers Auffassung; in seiner Schrift „Die
Regierung der Kinder" behandelt er „das leibliche Auferziehen"
als kurze Einleitung zu den Regierungsmafsregeln. Von der
psycho-physischen Bedeutung der Pflege haben diese Pädagogen
auch nicht die allerleiseste Ahnung. Was aber ganz besonders
getadelt werden mufs, das ist dies, dafs eine wirklich tiefgründige
Ableitung der Erziehungsfunktionen aus der menschlichen Natur
heraus überhaupt gar nicht von ihnen versucht worden ist: was
z. B. Ziller über den Begriff der Regierung sagt, sind lauter ganz
allgemeine Redensarten; nirgends ist auch nur der mindeste An-
satz zu dem Versuch zu finden, die Regierung aus dem Wesen
der menschlichen Natur als solcher herzuleiten und anzugeben, mit
welcher besonderen Seite ihrer Triebkräfte oder sonstigen Wesens-
äufserungen sie sich abzugeben habe. Die erste mir bekannte,
wirklich wissenschaftliche Ableitung der Erziehungsfunktionen
findet sich in einem neueren Werke, dem Buche des Anti-Her-
bartianers Döring „System der Pädagogik im Umrifs"; jedoch
gelangt Döring nur zu vier Erziehungsfunktionen, indem er das
Spiel nicht als solche berücksichtigt und gelten lässt. Toischer,
der im Jahre 1896 eine „Theoretische Pädagogik und allgemeine
Didaktik" erscheinen liels, kommt zur Aufstellung folgender drei