Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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116 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
Zieles von derjenigen unterscheidet, welche in den letzten Jahr-
zehnten die herrschende gewesen ist, nämlich von der Herbartschen.
Dieselbe erkennt nur drei Erziehungsfunktionen an, das bekannte
Trio: Regierung, Zucht und Unterricht, welches obendrein bei ge-
nauerem Zusehen auf eine blofse Zweizahl zusammenschrumpft,
indem irgend feste Grenzlinien zwischen Regierung und Zucht zu
ziehen bislang noch niemandem gelungen und auch thatsächlich
unmöglich ist. Herbart z. B. sagt, die Regierung unterscheide
sich von der Zucht dadurch, dafs jene das Gegenwärtige besorge,
diese für die Zukunft wirke. Die Grundlage der Regierung be-
stehe darin, die Kinder zu beschäftigen.*) Es erhebt sich die Frage,
warum die Kinder beschäftigt sein sollen, worauf sich keine andere
Antwort als die geben lälst: damit sie nicht, aus Langeweile, auf
dumme Streiche verfallen. Und wenn man nun konsequent weiter
fragt, weshalb solche zu verhindern seien, mufs man ebenso kon-
sequent antworten: weil dadurch die Entwickelung des sittlichen
Charakters, welche die Zucht zu bewerkstelligen hat, gefährdet
erscheint. Somit ist die Regierung durchaus nicht blofs auf die
Gegenwart beschränkt, und die scharfe Unterscheidung zwischen
Regierung und Zucht ist hinfällig. Auch Zill er ist es keineswegs
gelungen, Regierung und Zucht als zwei streng gesonderte Er-
ziehungsfunktionen darzustellen. Nach ihm ist die Regierung
auf „Ordnung in der Gemütsverfassung" des Zöglings gerichtet,
und dieselbe ist unbedingt erforderlich für die Zucht; denn ohne
sie kann sich irgendwelche geregelte Thätigkeit bei einem Menschen
überhaupt nicht entwickeln. Um diese „Ordnung in der Gemüts-
verfassung" herbeizufüren, hat sich die Regierung die Gewöhnung
an Ordnung im äufserlichen Sinne, Sauberkeit, Anstand, Aufmerk-
samkeit, Fleifs, Gehorsam, an die, wie sich Ziller ausdrückt, mittel-
baren Tugenden, angelegen sein zu lassen; oder mit anderen
Worten: bei der Regierung kommt es auf mittelbare Charakter-
bildung an. Da es sich bei der Zucht um unmittelbare Charakter-
bildung handeln soll, treten auch hier wieder Regierung und Zucht
nicht streng voneinander geschieden auf**) Durchaus belanglos in
Fragen dieser Grenzregulierung ist Reins Abhandlung „Herbarts
Regierung, Unterricht und Zucht", indem der Sache nach nur
*) Man vergleiche: Herbart, ,Umrifs pädagogischer Vorlesungen".
§§ 57 und 46.
**) Man vergleiche: Ziller, „Allgemeine Pädagogik' ed. Just. III. Auf-
lage. S. 107 ff. und S. 392.