Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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114 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
fiussung des Trieb- und Gefühlslebens mit Hilfe der Gewöhnung
möglich und dadurch, dafs man eben für eine gesunde und nor-
male Entwickelung des Trieblebens sorgt. Das Gefühls-, das
Affektleben spielt die Rolle des Vermittlers zwischen
dem organischen Trieb- und dem animalischen Willens-
leben und zwischen diesem und dem Vorstellen, welches
den Willen rationalisiert.
Hier sehen wir die physiologische Bedingtheit des Geistes-
lebens wieder aufs deutlichste vor uns; ein konkretes Beispiel wird
das ganz klar machen. Nehmen wir einen Knaben im Pubertäts-
alter; durch irgend eine Ursache ist eine lokale Reizung in seinen
Geschlechtsorganen gegeben, und es tritt infolge dessen eine ge-
schlechtliche, zunächst noch rein organische Erregung auf. Diese
geht von den organischen Nerven, welche die Funktionen des
Atmungs- und Gefäfssystems, der Ernährungs- und Zeugungsorgane
beherrschen und alle Prozesse der Lebenschemie leiten, auf die
animalischen Nerven, die Träger der psychischen Prozesse, als Trieb-
reiz über und wird von diesen als sensorischer Reiz ins Hirn geleitet,
von da in den Körper reflektiert und abermals ins Hirn zurück-
geworfen, wo der Reiz nun, vorausgesetzt, dafs er stark genug
ist, als Empfindung, etwa als Juckempfindung, ausgelöst wird, die
von einem gewissen Gefühlston begleitet ist. Wiederholt sich der
Vorgang, wird ferner die organische Erregung und damit der
Triebreiz und weiterhin der Hirnreiz stärker, so nimmt auch der
Gefühlston an Intensität zu: er wird schliefslich zum Affekt, zur
Gemütsbewegung. Diese bewirkt eine Konzentration des Vor-
stellens, der Gedanken auf den einen Punkt, und es erwacht der
Wunsch, die lästige Gemütsbewegung los zu werden, was nur
durch Beseitigung ihrer Ursache, etwa durch Betasten der Ge-
schlechtsorgane geschehen kann. Nun taucht aber der Gedanke
daran auf, dafs dies, weil schädlich, Unrecht und darum auch ver-
boten ist; die Vorstellung, dies Verbot zu übertreten, etwas Un-
rechtes zu thun, was Schaden und bei Entdeckung auch noch
Strafe nach sich zieht, ist von einem intensiven Unlustgefühl be-
gleitet. Ist dasselbe infolge tüchtiger Gewöhnung ein sehr starkes,
so wird es siegen: der Knabe wird lieber das andere Unlustgefühl,
das der geschlechtlichen Erregung ertragen, als dafs er es auf
Kosten seines guten Gewissens, um diesen kurzen Ausdruck zu
gebrauchen, beseitigt — vorausgesetzt, dafs der Geschlechtstrieb
nicht übermäfsig sich regt, was aber unter normalen Verhältnissen
und bei guter Gesundheit nicht der Fall ist.