Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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112 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
ihrem Mutterboden; sie sind unmittelbar auf die Erhaltung und
die Förderung des Gattungslebens gerichtet. Aus ihnen resultieren
alle sozialen Strebungen, die im höheren und weiteren Sinne
ethischen, wie auch die im niedrigeren und engeren Sinne, die
schlechthin moralischen, auf dem Mitgefühl beruhenden Strebungen,
welche in den Haupt-Tugenden der Gerechtigkeit und des Wohl-
wollens gipfeln. Der Gerechte scheut zurück vor störenden Über-
griffen in die Sphäre eines anderen Individuums; der Wohlwollende
fördert fremde Wohlfahrt, soweit dies in seinen Kräften steht und
auch sonst als geboten erscheint. Im einzelnen lassen sich bei
dem sympathischen Verhalten von Mensch zu Mensch drei Grund-
formen unterscheiden, indem in Betracht kommt: 1. das Verhältnis
vom Höheren zum Niederen, 2. das Verhältnis vom Niederen zum
Höheren und 3. das Verhältnis vom Gleichen zum Gleichen. Diese
drei Grundformen kommen bei der Erziehung hauptsächlich in
dem Verhalten der Erzieher, der Eltern und Lehrer, zu den Kindern,
dieser zu jenen und der Kinder, Geschwister und Kameraden, unter-
einander zur Geltung. Die unter die beiden Hauptkategorien
Gerechtigkeit und Wohlwollen fallenden Tugenden sind in An-
sehung jener drei Grundformen des sympathischen Verhaltens diese:
Liebe, Ehrfurcht, Gehorsam, Dienstfertigkeit, Höflichkeit, Dank-
barkeit, Verträglichkeit, Nachgiebigkeit, Billigkeit. Die Nega-
tionen und Übertreibungen dieser Tugenden ergeben sich von
selbst, desgleichen die denselben entsprechenden Pflichten.
Die Erziehungsfunktion nun, welche auf die Herausarbeitung
aller der genannten Tugenden ihr Augenmerk richtet, ist die auf
der Gewöhnung beruhende Zucht; ihre Aufgabe besteht
darin, den Menschen gewohnheitsmäfsig sittlich handeln
zu machen, dahin zu wirken, dafs er sich wahllos und
fraglos in den Dienst des Guten stelle, weil nur so die
Gesellschaft seiner als eines sittlichen Charakters sicher
ist. Die im Dienste der Gewöhnung als des primären Mittels
stehenden sekundären Mittel bei dieser Arbeit sind Lohn und
Strafe, Umgang und Beispiel, die Möglichkeit von deren
Wirksamkeit ist gegeben einerseits durch das Vorhandensein von
Autorität und Liebe und anderseits und vor allen Dingen durch
die der Gewöhnung zugänghche Beschafl'enheit der psycho-physischen
Natur des Menschen. — Aber mit dem allen ist die Aufgabe der
Zucht noch keineswegs erschöpft, indem es ja nicht blofs darauf
ankommt, die Tendenz zum sittlichen Handeln im Zögling zu
stärken, sondern die zur nützlichen Bethätigung überhaupt. Zu