Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 15. Erziehungsfunktionen. lül
Mittleres zwischen Völlerei und Askese, Müfsiggang und banau-
sischem Treiben, Verschwendung und Geiz sind; ferner Bescheiden-
heit, Wahrhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit, deren Entartungen nach
der einen und nach der anderen Seite hin Übermut und Kleinmut,
Verlogenheit und übertriebene Offenheit, was man das Herz auf
der Zunge haben nennt, Ehrgeiz und Schamlosigkeit, d. h. absolute
Gleichgiltigkeit gegen das Urteil anderer, sind. Die erstgenannten
vier Tugenden, Mäfsigkeit, Arbeitsamkeit, Sparsamkeit und Be-
scheidenheit, welche sich der Reihe nach beziehen auf den Nah-
rungs-, den Thätigkeits-, den Erwerbs- und den Besitztrieb, lassen
sich, was von selbst einleuchtet und keiner weiteren Erörterungen
bedarf, unter den Begriff der Selbstbeherrschung, die letztgenannten
zwei, Wahrhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit, unter den der Tapfer-
keit bringen. Natürlich ist dabei an ideelle Tapferkeit gedacht;
dafs als solche die Wahrhaftigkeit anzusehen ist, begreift sich
leicht: es erheischt oft nicht geringen Mut, wahr zu sein, zu seiner
Überzeugung sich offen zu bekennen. Ebenso ist die Beziehung,
in der die Wahrhaftigkeit zur Ehrenhaftigkeit steht, ohne weiteres
ersichtlich, wenn man bedenkt, dafs bei der mafsvollen Schätzung
seiner selbst, wie auch bei dem Streben, von anderen richtig be-
urteilt und angemessen geschätzt zu werden, die Wahrhaftigkeit
ganz naturgemäfs eine grofse Rolle spielt. Die Auffassung endlich
der Ehrenhaftigkeit als ideeller Tapferkeit erscheint als vollkommen
gerechtfertigt, wenn man erwägt, dafs man wohl im grofsen und
ganzen nach Selbstachtung in Harmonie mit der Achtung anderer
streben soll; dafs es aber auch zahlreiche Fälle giebt, wo man zu
Gunsten jener auf diese Harmonie verzichten mufs, wo man die
Mifsbilligung aller Menschen, die Verachtung der ganzen W'elt
lieber erträgt als das Verdammungsur teil des eigenen Gewissens:
um aber so Schweres ertragen zu können, dazu gehört eben Mut.
Ja, es gehört schon ein hoher Mut dazu, die Selbstachtung im
Gegensatze zur Verachtung der Majorität und in Übereinstimmung
mit der Anerkennung der Minorität sich zu bewahren. Aus dem
Gesagten ergeben sich nun auch die Pflichten, welche der Mensch
gegen sich selbst hat, ohne weiteres; dieselben lassen sich ganz
kurz in die Regel zusammenfassen: der Mensch soll von seinen
geistig-leiblichen Kräften einen solchen Gebrauch machen, dafs
seine geistig-leibliche Tüchtigkeit, die Grundlage alles erfolgreichen
moralischen Handelns und überhaupt aller sozialen Bethätigung,
in keiner Weise geschädigt werde.
Die sympathischen Triebe wurzeln im Geschlechtsleben als