Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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110 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
dieses kommen die drei anderen Triebe in Betracht: 1. der Form-
trieb, d. i. der Trieb, die Formen der Dinge aufzufassen und
nachzubilden; 2. der Ton trieb, welcher sich im Gefallen an
rhythmisch-melodischen Tonfolgen, an der Musik und, im Verein
mit dem Bewegungstriebe, als Freude am Tanz äufsert; 3. der
Dichttrieb, dem zufolge das Kind gern erzählen hört und auch
selbst gern erzählt, entweder einfach reproduzierend, was es ver-
nommen, oder selbst Geschichten und Situationen erfindend. —
Aber die Bedeutung des Spiels beruht nicht blofs auf dem
Umstände, dafs dadurch dem Kinde Gelegenheit zur Bethätigung
seiner für die Entwickelung seines geistig-leiblichen Lebens so
bedeutsamen Triebe geboten, sondern auch darauf, dafs es da-
durch zum Verkehr mit anderen Kindern, mit Kameraden
veranlafst wird, was eine gewisse Selbstbeschränkung
erfordert und die Entwickelung des Zugehörigkeits-
Gefühls und -Bewufstseins nicht unwesentlich fördert.
Zu dieser Gruppe idiopathischer Triebe kommt aber noch eine
zweite hinzu, welche in Beziehung zu den sympathischen Trieben
steht, eine Gruppe von Trieben, welche auf Selbsterhaltung nicht
um des Individuums selbst, sondern um der Erhaltung der Gattung
willen gerichtet sind. Wir bezeichnen diese Gruppe der idio-
pathischen im Verein mit den sympathischen Trieben als mora-
lische und soziale Triebe: sie sind die Quelle des moralischen
Empfindens, des Mitgefühls und überhaupt des sozialen Verhaltens
und Thuns. Unter den hierher gehörigen idiopathischen Trieben
nenne ich den Nahrungs-, Thätigkeits-, Erwerbs- und Besitztrieb,
welche alle zusammengenommen sich als reale oder unmittelbare
Selbsterhaltungstriebe bezeichnen lassen. Ihnen stehen gegenüber
die ideellen oder mittelbaren, welche sich charakterisieren lassen
als Verlangen nach Selbstschätzung und nach Ehre, also nach
Schätzung durch andere, nach Anerkennung: wir fassen sie zu-
sammen unter dem Sammelnamen der Ehrtriebe. Die aus der
Befriedigung oder Nichtbefriedigung aller dieser Triebe resultierende
Lust oder Unlust erzeugt die positiven Affekte der Freude an
Dingen, welche zur Stillung des Hungers und Durstes dienen, an
der Arbeit überhaupt und der wirtschaftlichen im besonderen und
am Besitz, der Selbst- und der Ehrliebe, und die negativen Affekte
des Abscheus vor Armut, Müfsiggang und vor zur Stillung der
leiblichen Bedürfnisse untauglichen Dingen, vor Schande und Selbst-
verachtung. Als individualistische Tugenden ergeben sich somit
folgende: Mäfsigkeit, Arbeitsamkeit und Sparsamkeit, die ein