Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 15. Erziehungsfunktionen. lül
logische Handhabung des Unterrichtes, als dies mit der
alleinigen Hilfe der empirischen Psychologie möglich ist. Folgendes
diene zum Beweise dessen. Die physiologische Psychologie allein
vermag uns z. B. die Entstehung der Wahrnehmungs- und der ihnen
entsprechenden Erinnerungsvorstellungen ganz klar zu machen
und gleichzeitig die Mittel anzugeben, welche bei ihrer künstlichen
Hervorbringung die besten Dienste zu leisten imstande sind. Sie
zeigt nämlich, dafs jede Wahrnehmung ein Komplex von Einzel-
Empfindungen ist, denen in der Hirnrinde gewisse durch die be-
züglichen Keize ausgelöste Erregungen entsprechen, welche durch
sogenannte Assoziationsfasern miteinander verbunden sind. Xach
Aufhören der Reize verschwinden wohl die Empfindungen, aber
nicht ganz ihre mechanischen Korrelate; es bleiben Spuren der
materiellen Veränderungen in der Hirnrinde bestehen. Diese Spuren
vertiefen sich durch häufige Wiederholungen der Empfindungen,
also durch häufig wiederholte Reizungen derselben Art; und aufser-
dem werden dadurch auch die Verbindungsbahnen zwischen den
einzelnen Spuren immer ausgeschliffener, immer gangbarer gemacht,
so dafs der schliefsliche Enderfolg solchen Verfahrens eben die
bleibende Erinnerung ist. Da diese Erinnerungen das Material zu
künftigen Begriffsbildungen, also die Grundlage des Urteilens und
Denkens repräsentieren, so vermag der Pädagog durch zweck-
mäfsige Kombination gleichzeitig wirksamer Reize das Geistes-
leben und seine Entwickelung in weitem Umfange zu beherrschen
und zwar mit ziemlicher Erfolg-Sicherheit, welche ihm fehlt, so-
fern er nur die empirische Psychologie zu Rate zieht, weil diese
wohl den Effekt, nicht aber die Ursache zu ermitteln imstande ist.
S 17.
Was das Triebleben des Zöglings angeht, so müssen wir
zwei Arten von Trieben unterscheiden, idiopathische und
sympathische, egoistische und soziale Triebe. Bei jenen
sind wieder diejenigen als eine besondere Gruppe aufzufassen,
welche auf die Selbsterhaltung, auf das eigene Behagen, die eigene
Lust um dieser selbst willen gerichtet sind; es sind dies der Be-
wegungs-, der Form-, der Ton- und der Dichttrieb. Alle diese
Triebe äufsern sich im Spiel, drängen das Kind zum Spiel: dieses
ist somit die auf ihnen beruhende Funktion. Es gilt, dem Kinde,
das danach verlangt, auch wirklich Gelegenheit zur Bethätigung
dieser seiner Triebe zu geben im Bewegungs- und im Phan-
tasiespiel; für jenes kommt naturgemäfs der Bewegungs-, für