Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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106 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
Zur Pflege tritt ergänzend hinzu als zweite und zwar eben-
falls psycho-physische Erziehungsfunktion die Übung. Sie er-
streckt sich auf den richtigen Gebrauch der Bewegungs-
Organe, der Sinne, der intellektuellen Vermögen und
das formal-gesellschaftliche Benehmen. Dieselbe ist von
nicht geringerer Bedeutung als die Pflege: Pflege und Übung
im Verein bilden die Grundlage gleichsam, auf der sich
die anderen Erziehungsfunktionen aufbauen. Sorgt die
Pflege für die Gesundheit des psycho-physischen Organismus und
für den normalen Ablauf seiner Funktionen, so läfst die Übung
sich die Summierung dieser Funktionen angelegen sein. Das
Mittel für diese Summierung ist die Wiederholung und zwar
die wohldurchdachte, den Kräften des Zöglings angemessene, stets
mit ihnen und ihrer Entwickelung gleichen Schritt haltende. Es
wird dadurch eine fort und fort zunehmende, gröfsere Geschmeidig-
keit, eine gröfsere Leichtigkeit im Vollzuge der Funktionen erzielt
und schliefslich eine vollständige Mechanisierung derselben erreicht:
was erst als bewufste Leistung auftrat, wandelt sich all-
mählich in unbewufstes Thun um. Die Notwendigkeit der
Übung ergiebt sich aus der Beobachtung, dafs jede körperliche
und geistige Kraft durch sie erstarkt, ohne sie dagegen erschlafft.
Rein physiologisch angesehen beruht das Prinzip der Übung dar-
auf, dafs die oft wiederholte Leitung in einer bestimmten Richtung
auf dem der letzteren entsprechenden Wege mehr und mehr der
zentralen Substanz die der peripherischen Region eigentümliche
Beschaffenheit verleiht, oder noch deutlicher: dafs, wenn ein Er-
regungs-Vorgang durch eine Ganglienzelle in bestimmter Richtung
häufig geleitet wird, hierdurch diese Richtung auch bei künftigen
Reizungen, welche die nämliche Zelle treffen, vorzugsweise zur
Leitung disponiert wird. Wenn man die Übung bisher nicht hat
als besondere Funktion gelten lassen wollen, so beruht dies darauf,
dafs man zumeist nur die Rolle im Auge gehabt hat, welche die-
selbe im Unterrichte spielt, namentlich sofern sie die Grundlage
des Gedächtnisses bildet. Bedenkt man aber, dafs es sich bei der
Erziehung nicht blofs um unterrichtliche Übung handelt, dafs sie
überhaupt nicht nur sekundäres, im Dienste anderer Erziehungs-
funktionen stehendes Mittel, sondern dafs sie von allgemeiner Be-
deutung ist, dafs alle Handlungen, auch die einfachsten Instinkt-
handlungen nur durch Übung und zwar am besten durch planmäfsige
Übung vollkommen zu werden vermögen, so ist es wohl gerecht-
fertigt und angebracht, von ihr als einer besonderen Erziehungs-