Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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Vorwort. IX
haben, ehe er in Beziehung auf die Gesellschaft betrachtet werden kann"
(Ziller „Allgemeine Pädagogik" ed. Just. III. Auflage, S. 25). Viel-
mehr mufs die Erziehungslehre, wie die Sozialwissenschaft, wie die
Ethik unserer Zeit, stets eingedenk dessen sein, dafs der Mensch
ohne menschliche Gemeinschaft gar nicht Mensch ist. Dem-
gemäfs hat der Pädagog an die Spitze seiner Wissenschaft den Satz zu
stellen: „Erziehung ohne Gemeinschaft besteht überhaupt
nicht." Genauer: Erziehung ist nicht blofs in der Gesellschaft allein
möglich, sondern auch einzig denkbar um der Gesellschaft willen. Mit
anderen Worten: nur als soziales kann Erziehung ein sinn-
volles Thun genannt werden, indem sie den Zögling als passives
Glied der bestehenden und als aktives der aus dieser hervorgehenden
Gesellschaft betrachtet.
Die grundsätzliche Anerkennung alles dessen, also dafs in jeder
Hinsicht die Erziehung des Individuums sozial, wie dafs anderseits die
Gestaltung des sozialen Lebens fundamental bedingt ist durch eine ihm
gemäfse Erziehung der Individuen, die an ihm teilnehmen sollen, hat
die neue Erziehungs-Wissenschaft entstehen lassen, welche man als
Sozialpädagogik bezeichnet, und welche nicht etwa als ein abtrennbarer
Teil der Erziehungslehre neben der individualen aufzufassen ist, sondern
als die konkrete Fassung der Aufgabe der Pädagogik überhaupt.
Einer der Vertreter dieser neuen pädagogischen Richtung, Herr
Professor Paul Natorp in Marburg, hat dieselbe in einem umfäng-
licheren Werke, das vor zwei Jahren unter dem Titel „Sozialpädagogik.
Theorie der Willenserziehung auf der Grundlage der Gemeinschaft" er-
schienen und von mir in der „Leipziger Lehrerzeitung" (VI. Jahrgang,
No. 17 und 18) ausführlich besprochen worden ist, dargestellt. Es
könnte demnach scheinen, als sei eine andere umfassende Darlegung
jener Ideen, noch dazu so bald hinterher, überflüssig. Ich glaube das
dennoch nicht. Denn Herrn Natorps Arbeit ruht auf der Grundlage
der kritischen Philosophie, des Neukantianismus und befolgt durchweg
die Methode des deduktiven Aufbaues. Ich verwerfe sowohl jenes
Fundament als auch diese Methode. Das Buch, welches ich hier der
Öifentlichkeit übergebe, stellt die soziale Pädagogik auf die breite Basis
der Erfahrungswissenschaft und schreitet durchgehends auf dem sicheren
Wege der Induktion einher. Nicht aus irgendwelchen, kritisch-philo-
sophischen oder sonstigen Voraussetzungen werden pädagogische Prin-
zipien hergeleitet; sondern die für die Erziehungslehre in Betracht
kommenden Grundsätze werden gewonnen als Ergebnisse, als Konse-
(juenzen von Erfahrungs-Thatsachen und zwar von Thatsachen der
äufseren Erfahrung. Freilich kann nicht daran gezweifelt werden, dafs