Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 15. Erziehungsfunktionen. lül
der Fall ist, eine Thatsache, welche einen populären Ausdruck in
dem Satze gefunden hat, dafs das Frauenherz zarter als das des
Mannes ist. Das bedeutet, wie Mosso bemerkt, nichts anderes,
als dafs der nervöse Apparat des weiblichen Herzens bereits von
Reizen erregt wird, denen gegenüber ein gesundes männliches Herz
völlig ohne Reaktion bleibt. Diese gröfsere Erregbarkeit des weib-
lichen Herzens äufsert sich deutlich wahrnehmbar in der vermehrten
Zahl der Pulsschläge infolge irgendwelcher Reize. So affiziert die
durch das wiedererwachende Leben gegebene Erregung das Herz
des Weibes weit stärker als das des Mannes, so dafs beim Weibe
die Zahl der Pulsschläge beim Erwachen vom Schlafe erheblich
stärker zunimmt als beim Mann. Eine bekannte Thatsache ist es
ja auch, dafs Frauen leichter erröten als Männer, was natürlich
ebenfalls auf der höheren Affizierbarkeit der weiblichen Gefäfs-
nerven beruht, desgleichen die augenfällige Disposition des Weibes
zum Weinen und Lachen. Zum Teil beweisen die angegebenen
Daten, namentlich die letzten, offenbar schon mehr, als hier be-
absichtigt war: sie beweisen nämlich bereits teilweise eine Ab-
hängigkeit oder Bedingtheit geistiger von körperlichen Vorgängen
und Erscheinungen. Aber das war unvermeidlich, da die Grenze
zwischen blofsem Parallelismus und Abhängigkeit in dem ange-
gebenen Sinne nicht mit Sicherheit gezogen werden kann. Ehe
ich mich zur Besprechung dieser Abhängigkeit in solchen Fällen,
wo gar kein Zweifel bestehen kann, oder wo dieselbe ganz hand-
greiflich ist, wende, mufs ich jedoch erst noch den zweiten Punkt
des aufgestellten Programms erledigen.
2. Eine Bedingtheit körperlicher Vorgänge durch
geistige beobachten wir namentlich bei Leuten mit lebhaftem,
sogenanntem südlichen Temperament. Ich meine derartige Aus-
drucksbewegungen wie heftiges Gestikulieren mit den Händen,
Rollen der Augen, Verzerrungen des Gesichtes, Herumrennen im
Zimmer, Knirschen mit den Zähnen in irgendwelchen Zuständen
des Affektes. Es tritt nämlich infolge eines starken Affektes, etwa
des Zornes, eine erhöhte Innervation der willkürlichen Muskeln
ein. Diese Innervation ist allerdings oft eine unsichere, so dafs
dann die Bewegungen, welche der Betreffende ausführt, ungeschickt
und tölpisch ausfallen; auch haben wir dabei zumeist den Eindruck
des Zwecklosen und damit weiterhin den des Lächerlichen, z. B.
wenn wir einen Wütenden sich selbst schlagen oder sieh die Haare
raufen sehen. Derjenige, welcher sich in einem solchen Paroxysmus
der Wut befindet, merkt nichts von dieser Zwecklosigkeit seiner