Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
98 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
zweifelhaft, dafs die geistige Differenz zwischen dem männlichen
und weiblichen Geschlecht auf der Verschiedenheit des Parallelis-
mus geistiger und körperlicher Vorgänge bei Mann und Weib
beruht. Ich möchte hier nur ein Moment, das mir besonders
wichtig zu sein scheint, hervorheben. Das Weib ist vielleicht etwas
weniger sensibel als der Mann; aber es besitzt sicherlich eine gröfsere
Affektibilität oder Emotivität. D. h. die Reiz-Empfindlichkeit und
im besonderen die Fähigkeit, qualitativ gleichartige, aber intensiv
nur wenig voneinander verschiedene Reize auseinander halten, als
verschiedene empfinden zu können, scheint beim Weibe im allge-
meinen geringer als beim Manne zu sein. Aber es reagiert auf
Reize energischer als dieser; es tritt eine stärkere Gemütsbewegung
bei ihm ein, natürlich sofern der betreffende Reiz überhaupt dazu
angethan ist, affektiv zu wirken. Das hat seinen Grund in Folgen-
dem. Wenn ein Reiz in das Nervensystem eindringt, so mufs er
erst in den Körper reflektiert worden sein und in die Zuckungen
der Muskeln, des Herzens und anderer Organe eingegriffen haben,
ehe er, zurückgeworfen, als Gemütsbewegung im Gehirn auftauchen
kann. Kurz: der Gesamtorganismus des Menschen stellt eine Art
von Resonanzboden dar, an welchem durch irgendwelche Reize
hervorgerufene Bewufstseins - Änderungen als Gemütsbewegung
widerklingen; im besonderen spielt dabei das vasomotorische, das
Gefäfssystem mit seinem Zentralorgan, dem Herzen, eine bedeut-
same Rolle, wie die Untersuchungen von Mosso, Bell, Bain,
Darwin, James und C. Lange dargethan haben.*) Der Letzt-
genannte fafst das Resultat seiner Forschung dahin zusammen:
„Es ist das vasomotorische System, dem wir die ganze emotive
Seite unseres Seelenlebens verdanken, unsere Freuden und unsere
Sorgen, unsere glücklichen und unsere unglücklichen Stunden;
wenn die Eindrücke, die unsere Sinne treffen, nicht die Kraft be-
säfsen, dieses System zur Thätigkeit anzuregen, so würden wir
teilnahmlos und leidenschaftslos durchs Leben gehen. Eindrücke
der Aufsenwelt würden unsere Erfahrung bereichern und unsere
Kenntnisse vermehren; aber sie würden uns weder Freude noch
Ärger bereiten, in uns weder Kummer noch Furcht erregen." Beim
Weibe nun reagiert der neuro-muskuläre Regulator des spontanen
organischen Lebens, das die Blutgefölse innervierende System
von Nervenelementen, prompter auf Reize, als dies beim Manne
*) Man vergleiche: C. Lange, ,,Über Gemütsbewegung", deutsch von
Kurella; Angelo Mosso, „Die Furcht"; Darwin, „Ausdruck der Gemüts-
bewegungen".