Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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96 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
schäftigt, so z. B. auch für die Psychiatrie, die physiologische
Psychologie die Grundlage bilden muls. Freilich kann die alte
Psychologie nicht entbehrt werden, das heifst: wohl die speku-
lative, aber nicht die empirische, welche sich auf die Methode der
Selbstwahrnehmung stützt. Das Verhältnis dieser zur physiolo-
gischen Psychologie läfst sich dahin bestimmen, dafs man sagt:
die empirische Psychologie hat mit Hilfe ihrer Methode Material
zu sammeln und uns auf diese Weise eine Summe von Be-
obachtungsthatsachen an die Hand zu geben. Die physiologische
Psychologie vermehrt dieses Material mit Hilfe der ihr zu Gebote
stehenden Methoden und berichtigt etwaige Fehlerquellen und
Mängel, wie sie der Selbstbeobachtung notwendigerweise inhärieren;
denn der Akt der Selbstbeobachtung affiziert das Objekt der Be-
obachtung, den Bewufstseinsinhalt, indem die auf denselben ge-
richtete Spannung der Aufmerksamkeit Vorgänge aufregt, welche
der unbeobachteten Wahrnehmung fehlen. So ist als das einzig
zu Recht Bestehende ein gewisses Wechselverhältnis von empirischer
und physiologischer Psychologie anzuerkennen, wobei aber die
letztere die Prävalenz beanspruchen darf, schon deshalb, weil die
Methode der Selbstbeobachtung sich nahezu erschöpft hat. Das
Resultat dieses Wechselverhältnisses sind dann allgemeine, praktisch
verwertbare Sätze, in welchen ja jede Wissenschaft schlielsiich
gipfelt.*)
Bei der Darlegung des Zusammenhanges des Physischen und
des Psychischen im einzelnen und besonderen ist auf folgende Punkte
Rücksicht zu nehmen. Es ist zu zeigen: 1. dafs zwischen geistigen
und körperlichen Vorgängen ein Parallelismus vorhanden ist; 2. dafs
eine ganze Reihe mechanischer Lebenserscheinungen in Abhängig-
keit von psychischen steht; und 3. dafs Thatsachen existieren, welche
beweisen, dafs geistige Vorgänge von körperlichen bedingt sind.
1. Ein Parallelismus zwischen Geistigem und Körperlichem
zeigt sich schon im frühen Kindesalter. Entsprechend der grofsen
geistigen Thätigkeit des kleinen Kindes, welche in der Erlernung
der Sinnes Wahrnehmung besteht, beobachtet man in den ersten
Monaten der Kindheit eine aufserordentliche Entwickelung des
Gehirns. Bei einem drei Monate alten Säugling macht das Hirn-
gewicht den achten bis fünften Teil des Gesamt-Körpergewichtes
aus, während beim Erwachsenen sich das Verhältnis von Hirn- und
*) Man vergleiche auch den Aufsatz von Ziehen: „Das Verhältnis der
physiologischen Psychologie zur Pädagogik" in der „Leipziger Lehrer-
zeitung", IL Jahrgang No. 38/39.