Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 15. Erziehungsfunktionen. lül
Entfaltung zu fördern. Man sieht, worauf es ankommt: nämlich
auf eine eingehende Betrachtung der menschlichen Natur. Bei
einer solchen machen wir zunächst einmal die Wahrnehmung,
dafs im menschlichen Organismus das Physische und das
Psychische sich aufs intimste durchdringen; dals der Mensch,
kurz gesagt, ein psycho-physisches Wesen ist. Dieser aus
der Beobachtung gewonnene, also dieser Erfahrungssatz ist einer
der Fundamentalsätze der modernen Individual-Anthropologie; er
ist geradezu deren festes empirisches Fundament. Freilich ist
diese Thatsache so evident, dals man sie zu keiner Zeit übersehen
konnte. Aber während man früher, weil man damit nichts Rechtes
anzufangen wulste, den darin beschlossen liegenden Dualismus
entweder dadurch überwinden wollte, dafs man das Psychische
materialistisch nur als Funktion der Materie oder das Physische
spiritualistisch als blofsen Schein erklärte, begnügt man sich heute
nicht damit, einfach den Knoten zu durchhauen, sondern erkennt
die Realität von beiden an. Allerdings auch das hat man bereits
hier und da angenommen; jedoch ging man dabei von ganz
anderen Voraussetzungen aus, indem man ein materielles einem
geistigen Substrat, einer Seele gegenüber stellte. Davon will
man jetzt nichts mehr wissen; in der Erfahrung sind uns solche
Substrate im eigentlichen Sinne nicht gegeben. Wir suchen viel-
mehr nach einem letzten Realen, das die beiden Arten des
Wirklichen in sich zur Einheit zusammenfafst, so dafs sie nur als
verschiedene Erscheinungsformen desselben aufzufassen sind. Doch
darauf brauche ich nicht weiter einzugehen; denn wir sind noch
nicht in der Lage, Sicheres aussagen zu können, sondern bewegen
uns noch ganz und gar dabei auf dem unsicheren Boden der
Vermutungen. Wir rechnen jedenfalls mit dem Physischen und
dem Psychischen als mit zwei gegebenen Realitäten, wobei unter
dem Physischen nicht nur ein rein Stoffliches zu verstehen ist;
sondern unter diesem Begriffe wird auch die Summe aller Kräfte,
die man als bewegende, als kinetische Kräfte bezeichnet, mit zu-
sammengefafst. Diese Kräfte machen im Verein mit dem Stofflichen
das aus, was wir die äufsere Natur nennen; aus dem Zusammen-
wirken dieser Kräfte und der sogenannten Materie entstehen die
Gegenstände der Sinneswahrnehmung, geht die sinnlich wahr-
nehmbare Welt hervor. Aulser den kinetischen Kräften giebt es
nun aber eben noch anders geartete, welche im Verein mit diesen
und der Materie in einer ganz anderen Weise wirken, eine ganz
andere Welt hervorzaubern, nämhch die geistige Welt, welche von