Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 14. Unmögliclikeit einer allgemeingiltigen Pädagogik. 91
Freilich sind dafür, aus Mangel an Beobachtungsmaterial, solche
exakte Beweise, wie ich sie hinsichtlich der Variabilität der An-
wendung der Zucht geben konnte, nicht beizubringen. Jedoch
scheint mir eine gewisse Beziehung zu bestehen zwischen der Er-
fahrungs-Thatsache, dafs die auf mechanisches Lernen gestellte
Unterrichtserteilung allmählich immer mehr zurückgetreten ist
und beständig abnimmt, und der besseren Erkenntnis nicht nur,
sondern auch ganz direkt deren Ursache, also der Intelligenz-Zu-
nahme, welche mit dem Wachsen der Hirnmasse, die z. B. beim
modernen Europäer etwa 20 bis 30 Kubikzoll mehr betragen soll
als beim Papua, gegeben ist. Ich möchte diese Annahme durch
Analogie begründen. Es ist ja eine ganz bekannte Erscheinung,
dafs, je intelligenter ein Mensch ist, er um so weniger Keigung
zum blofs mechanischen Lernen hat und umgekehrt. Aber nicht
nur diese Beobachtung machen wir, sondern wir finden auch, dafs,
je intelligenter ein Mensch ist, er um so weniger Veranlassung
zum mechanischen Lernen hat und umgekehrt. Der wenig In-
telligente kann sich die von anderen gemachten Erfahrungen nur
durch Auswendiglernen im eigentlichen Sinne aneignen und ist
zudem nur sehr selten dazu fähig, den vorhandenen Erfahrungs-
schatz selbständig zu vermehren: seine Erfahrungen reichen im
wesentlichen nur soweit wie die des anderen, welche zu seiner
Kenntnis gekommen und in seinem Gedächtnis haften geblieben
sind. Der Intelligente bemächtigt sich des vorhandenen Erfahrungs-
schatzes gleichsam mehr intuitiv; er vermag ihn auch ohne müh-
seliges Auswendiglernen zu beherrschen, und aufserdem ist er noch
imstande, denselben von sich aus zu vermehren. Auch folgenden
Umstand kann man noch, wie mir scheint, als Beweismaterial hier
benutzen. Die grofse allgemeine Bedeutung, welche man soviele
Jahrhunderte hindurch dem Sprachstudium, im besonderen der Er-
lernung der alten Sprachen zuschrieb, wird immer mehr und mehr
in Abrede gestellt und demgemäfs diesen Sprachen im Unterricht
eine immer nebensächlicher werdende Stellung eingeräumt. Das
beruht ja allerdings gröfsten Teils auf der Erkenntnis, dafs die
Erlernung fremder Sprachen keineswegs die allgemein geistbildende
Wirkung hat, wie man früher annahm. Aber mich will bedünken,
dafs auch noch ein anderes dabei in Frage kommt, welches hier
ebenfalls wieder nicht nur eine indirekte, sondern eine ganz direkte
Beziehung zwischen Unterrichtsverfahren und Intelligenz-Zunahme
erkennen lälst. Die Erlernung der alten Sprachen galt früher
nicht blofs ihrer behaupteten allgemein Geist bildenden Wirkung