Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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VIII Vorwort.
Nicolaus Tulpius und Hartknoch; derartige Geschichten sind auch
enthalten in den „Breslauischen Sammlungen von Natur- und Kunst-
geschichten" 1718 und in dem ,Neu eröffneten Welt- und Staatstheatrum"
1725. Darauf ist jedoch bei der Leichtgläubigkeit und Kritiklosigkeit
der Leute von damals Naturdingen gegenüber nicht viel zu geben;
aber ganz aus der Luft gegriffen mögen die Berichte doch wohl nicht
sein. In den „Annales natur. bist." 1850 erzählt Murchison, der
Oberst Sleemann habe ihm fünf Fülle mitgeteilt, dafs im Lande Aude
in Vorderindien Kinder unter Wölfen gefunden wurden. In der Gegend
von Caunpur und Lucknau, wo Wölfe häufig seien, würden kleine
Kinder von diesen Tieren nicht selten geraubt und natürlich meistens
gefressen, ausnahmsweise aber auch von ihnen aufgesäugt und zu ihrer
Art und Weise erzogen. ,,Vor einiger Zeit", erzählt Sleemann, „ritten
zwei Gensdarmen des Königs von Aude an den Ufern des Gumptscho
hin und sahen drei Tiere zur Tränke herabkommen. Sie eilten hinzu
und fingen sie und fanden zu ihrem Erstaunen, dafs es zwei junge Wölfe
waren und ein kleiner nackter Knabe, welcher wie seine Gefährten auf
allen Vieren lief und an Ellbogen und Knieen hornige Verdickungen
zeigte. Er bifs und kratzte wütend, als er gefangen werden sollte.
Sprechen konnte er nicht. Sein Verstand glich dem eines jungen
Hundes." — Der Mensch verdankt eben, wenn nicht seine Mensch-
werdung selbst, so doch sicherlich die Erhaltung und Portentwickelung
seiner Menschlichkeit, alles dessen, was ihn über das Tier erhebt, dem
Leben in der Gemeinschaft mit gleich organisierten Wesen. Aus dem
Höhlenmenschen der Urzeit hätte gewifs niemals sich der Mensch mit
den sonnenhaften Augen Goethes entwickeln können, wenn jener isoliert
gelebt hätte. Jedenfalls ist uns der Mensch in der Erfahrung
stets gegeben als ein soziales Wesen, so zwar dafs nicht blofs
der eine neben dem andern unter ungefähr gleichen Bedingungen auf-
wächst, sondern dafs jeder zugleich luiter vielseitigem Einflüsse anderer
und in beständiger Rückwirkung auf solchen Einflufs steht. Aus dieser
Erfahrungsthatsache folgt, dafs der einzelne Mensch nur als ab-
strakter Begriff denkbar ist; dafs er in Wirklichkeit also nicht
existiert.
Darum sind jene Sozialtheorien als vollständig verfehlte anzu-
sehen, welche die Gesellschaft aus einer blofs äufseren Verbindung zu-
vor isoliert gedachter Einzelner zu erklären versuchen. Darum ist die
Ethik abzuweisen, welche lehrt, dafs der ideale Wert der Gesellschaft
erst nach dem des Einzelnen bemessen werden kann. Darum ist auch
der Erziehungs-Theoretiker übel beraten, der dem Grundsatze
Zillers huldigt: „Der Einzelne mufs erst für sich einen Wert erlangt