Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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90 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
als sicher verbürgt angesehen werden; es geht das aus der zu-
nehmenden Brachycephalie der Kulturnationen hervor. Unter den
prähistorischen Rassen Europas und unter den dunklen Rassen
der Erde ist der dolichocéphale Typus der herrschende; die
Entwickelung schreitet langsam von der Dolichocephalie zur
Brachycephalie fort, und das Vorwiegen der letzteren ist, wie
Topinard in seinem Werke „L'homme dans la nature" be-
merkt, noch immer in steter Zunahme begriffen. Auch läfst sich,
was die Durchforschung alter aufgegrabener Friedhöfe ergeben
hat, eine Zunahme des Schädelinhalts vom Mittelalter an deut-
lich erkennen. Nach den „Mémoires de la société
d'anthropologie"*) beträgt die mittlere Schädelkapazität
bei Parisern des 12. Jahrhunderts 1409, bei modernen Parisern
1558 gegen 1224 cbcm bei Australiern. Broca giebt als Resultat
seiner Messungen an, dafs die Schädelkapazität des Parisers des
19. Jahrhunderts um 135 cbcm gröfser sei als die des mittelalter-
lichen Parisers. Ferner ist man wohl berechtigt, mit Topinard
und anderen die beständig häufiger werdenden Geburtshindernisse
bei den Europäern grofsen Teils auf die Schädel-Zunahme zurück-
zuführen. — Dafs thatsächlich Dolichocephalie eine primitivere
Entwickelungsstufe bedeutet, beweist aufser den angeführten Daten
auch noch die von Virchow in den „Crania Ethnica
America na" hervorgehobene ethnologische Thatsache des Vor-
kommens der noch einen sehr niedrigen Kulturstandpunkt ein-
nehmenden dolichocephalen Rassen an den beiden Enden der langen
Kontinente, deren hohes Alter wir anerkennen müssen. Dafür
nun aber, dafs Brachycephalie auch wirklich eine höhere Ent-
wickelungsstufe bedeutet, indem sie mit Zunahme des Hirns ver-
bunden ist, spricht der von Calori nachgewiesene physiologische
Umstand, dafs die Hirne brachycephaler Individuen gröfser als die
dolichocephaler sind. Ferner ist sicher, dals aufsergewöhniiche
geistige Veranlagung meist mit Brachycephalie verbunden ist. Und
gar kein Zweifel besteht daran, dafs bei Irren, Verbrechern und
Degenerierten Dolichocephalie durchaus vorwiegt und in hohem
Mafse auftritt, wie Benedikt und Clapham gezeigt haben.
Eine derartige Entwickelung der physiologischen Bedingungen
des Intellekts berechtigt zu dem Schlüsse, dafs die Bildung des
Intellektes, also die Anwendung des Erziehungsmittels Unterricht
ebenso variabel sein muls wie die des Erziehungsmittels Zucht.
*) Man vergleiche: „Mémoires de la société d'anthropologie." 2. Serie,
II. Bd. 1873.