Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 14. Unmögliclikeit einer allgemeingiltigen Pädagogik. 89
aber wir schränken sie nach Möglichkeit ein und verdammen jede
bis zur Mifshandlung gehende Überschreitung schonungslos und
aufs energischste. Das hat nicht etwa blofs, wie man meinen
könnte, und wie es bei nur flüchtiger Betrachtung den Anschein
hat, in fortgeschrittener Erkenntnis seinen indirekten Grund, son-
dern findet seine direkte Erklärung vornehmlich in Folgendem.
Der gröbere Organismus ist nachhaltig und tiefgehend nur durch
brutale Mittel beeinflufsbar, durch Mittel, welchen der verfeinerte
überhaupt gar nicht mehr standzuhalten vermag: er ist unfähig,
die durch solche ausgelösten Schmerzgefühle zu ertragen, weil die-
selben für ihn weit intensiver sind als für den gröberen Organis-
mus. Ja, der feinere Organismus wird durch schroffe Eingriffe ein-
fach zu Grunde gerichtet, während der gröbere dieselben aushalten
kann ohne merkbare dauernde und wesentliche Beeinträchtigung.
So berichtet Reyburn auf Grund seiner Beobachtungen an mehr
als 400 000 Negern, welche in den Jahren 1865—1872 in der
Poliklinik des amerikanischen Bureaus für Negerflüchtlinge be-
handelt wurden, dafs die Neger sich von Verletzungen und
chirurgischen Eingriffen weit leichter erholen als Weifse. Und
Parke sagt in seinen „Experiences in Equatorial-Africa*
von den Zanzibariten, dafs sie ein geradezu wunderbares Talent
im Überwinden von Verletzungen aller Art besitzen. Von der
DisVulnerabilität, um diesen von Benedikt zuerst gebrauchten
Ausdruck anzuwenden, welcher die Fähigkeit, Wunden und Ver-
letzungen leicht und schnell und mit verhältnismäfsig geringen
üblen Folgen zu überwinden, mit einem Worte bezeichnet, von der
DisVulnerabilität der Indianer und ihrer hochgradigen Schmerz-
unempfindlichkeit sind ja Beispiele genug bekannt, ebensowie
davon, welche Rolle infolgedessen körperliche Mifshandlung aller
Art in ihrer Erziehung spielt, um die Heranwachsenden an Mut,
Ausdauer u. dgl. m. zu gewöhnen. Hier erinnere man sich auch
der diesbezüglichen erzieherischen Mafsnahmen bei den alten
Spartanern, deren Anwendung bei einem Kinde der modernen
europäischen Kulturnationen dessen Ruin bedeuten würde.
Die Abnahme der DisVulnerabilität und Schmerzunempfind-
lichkeit beruht auf der Zunahme der allgemeinen Sensibilität,
welche ihre organische Grundlage in der fortschreitenden Ent-
wickelung des Nervensystems hat: man nimmt an, dafs beim
Kulturmenschen der Gegenwart die Masse des Nervensystems um
SO^/o gröfser ist als beim Wilden. Vor allem kann eine Zunahme,
ein Wachstum der Masse des nervösen Zentralorgans, des Hirns,