Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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88 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
mus der Menschen sind wohl grofs genug, um die Anwendung
der Erziehungsmittel, die pädagogischen Methoden und Ver-
fahrungsweisen zu modifizieren; aber sie sind nicht grofs genug
und werden wohl auch durch die fortschreitende, aufsteigende
Entwickelung nicht grofs genug werden, um die Erziehungs-
mittel unmittelbar zu modifizieren, etwa ihre Zahl zu vermehren.
Höchstens vermag dergleichen durch die fortschreitende Erkenntnis,
also auf indirektem Wege bewirkt zu werden; aber ein ganz ein-
wandfreies Beispiel kann dafür bislang nicht beigebracht werden.
Die Erziehungsmittel, welche in Anwendung zu bringen sind, und
welche ich in den nächsten Paragraphen besprechen werde, sind
überall und stets Bildungsmittel des Menschen gewesen, in Gemäfs-
heit dessen, dals der Mensch stets ein psycho - physisches Wesen,
das Instinkte und Triebe hat, das empfindet, vorstellt, fühlt, be-
gehrt und handelt, gewesen und noch ist und wohl immer sein
wird, mag auch die Art des Empfindens und Vorstellens, des
Fühlens und Wollens sich ändern. Nur sind diese Bildungsmittel
nicht durchweg von den Pädagogen als Erziehungsmittel im eigent-
lichen Sinne aufgefafst und zudem sind sie aufserordentlich ver-
schieden gewertet und angewendet worden. Diese zeitliche
Variabilität in der Anwendung der Erziehungsmittel ist
bedingt durch das grofse Lebensgesetz der auf Vererbung,
Anpassung, Zuchtwahl, Variation und wieder Vererbung
beruhenden Entwickelung, welche sich, wie gezeigt, als
Verfeinerung des Organismus äufsert.
Greifen wir aus der Reihe der Erziehungsmittel die Zucht
heraus, so kann gar kein Zweifel daran bestehen, dafs die An-
wendung derselben aufserordentlich verschieden ist in verschiedenen
Zeiten und bei verschiedenen Völkern, namentlich bei auf sehr
verschiedenen Entwickelungsstufen stehenden. Bei der Zucht
handelt es sich darum, den Zögling dahin zu führen, dafs er einer-
seits der bestehenden Sitte sich füge und anderseits sein Leben
den herrschenden moralischen und sozialen, überhaupt den die
Lebensbethätigung des Menschen betreffenden Anschauungen ge-
mäfs gestaltet. Ihr Hauptmittel ist die Gewöhnung, eins ihrer
sonstigen Mittel ist die Strafe. Betrachten wir dieses Mittel
näher, so finden wir, dafs bei primitiveren Völkern und in roheren
Zeiten die Strafe vor allen Dingen in körperlicher Mifshandlung
besteht. Ja, wir machen die Wahrnehmung, dafs solche überhaupt
als das wichtigste Zuchtmittel angesehen wird. Nun halten wir
die körperliche Züchtigung zwar auch heute noch für unentbehrlich,