Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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86 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
zwischen zwei Völkern bestehen; sie sind anderseits um so geringer,
ja fast minimal, je enger die Verbindung zwischen ihnen ist, je
mehr das eine dem anderen vorbildlich erscheint. Einen deutlichen
Beweis liefert die Geschichte Deutschlands im 17. Jahrhundert, in
welchem die Blicke der Deutschen beständig nach Frankreich ge-
richtet waren: der französische „galant homme' war, wenigstens
für den Deutschen von Stande, das Vollkommenheits- und dem-
gemäfs das Bildungsideal, nicht etwa der nüchtern-praktische,
kluge, tugend- und kenntnisreiche „gentleman", wie ihn Locke in
Übereinstimmung mit der zeitgenössischen Auffassung in England
als Erziehungs-Resultat empfiehlt. Um weitere historische Beispiele
für die Verschiedenheit der Erziehungszwecke bei verschiedenen
Völkern in der nämlichen Epoche anzuführen, brauche ich nur auf
die Verschiedenheit des römischen und des griechischen Bildungs-
ideals und, was dieses betrifft, auf die des spartanischen und des
atheniensischen hinzuweisen. Freilich wird das Ziel der Erziehung
im allgemein-formalen Sinne in Sparta wie in Athen gleich auf-
gefafst; es ist, kurz gesagt, dies: Tüchtigkeit. Aber in der kon-
kreten Bestimmung dieses Begriffes und demzufolge in der Fassung
des konkreten Bildungsideals, worauf es doch einzig ankommt, und
was doch allein wertvoll ist, weichen Sparta und Athen be-
kanntlich sehr voneinander ab. Um die zeitliche Variabilität des
Erziehungszweckes durch ein geschichtliches Beispiel noch kurz
und schlagend zu belegen, habe ich blofs nötig, auf den Umstand
aufmerksam zu machen, dafs das Bildungsideal der Kultur-
völker im Fortschritte der Zivilisation immer mehr und
mehr seinen kriegerischen Charakter einbüfst. Bis in
die zweite Hälfte des Mittelalters hinein und noch darüber hinaus
galt der Waffenkundige und Waffengewandte als das männliche Voll-
kommenheitsideal, sogar in den Augen des Klerus, der es ja selbst
gar nicht selten verschmähte, gewappnet in den Krieg zu ziehen.
Welch ein Unterschied zwischen damals und jetzt! — Diese räum-
liche und zeitliche Variabilität des Erziehungszweckes
mufs ebenfalls in dem Erziehungsziele, das aufgestellt
wird, zum Ausdrucke gebracht werden, wie ich dies ge-
than habe. Dadurch unterscheidet sich mein Erziehungs-
ziel in einem zweiten Punkte von den sonst üblichen:
es nimmt Allgemeingiltigkeit nur in formaler, nicht
auch in materialer Hinsicht für sich in Anspruch. Ein
dritter Unterschied wird im zweiten Teile hervorge-
hoben werden, hier deute ich denselben nur kurz an.